RUDOLF JETTMAR.
Aber was Anderes sahen die Kinder des Meeres
— lange Männer mit furchtbar langen schmalen
Flügeln!
Die Flügelmänner flogen an den Purpurfelsen
herum — wie Schwalben vor ihren Nestern herum
fliegen.
„Was sind denn das für Kerls?” frug die Lika.
Und die drei Buckligen riefen oben unterm
Luftballons
„Das sind die grossen Dichter!”
IX.
Na — die Dichter waren ganz freundliche
Herren; sie empfingen die schnurrigen Gäste wie
alte Bekannte, hoben sie aus der Gondel und
brachten sie durch ein rundes Fenster in ihre Felsen
wohnung.
Der Triton legte sich gleich auf einen molligen
Divan und stopfte sich einen Tschibuk.
Die Lika setzte man auf einen fünfeckigen
Fenstertisch, von wo aus das gute Kind eine
prächtige Aussicht über kunterbunte Wolkenbündel
genoss; keilförmige Schatten und Sonnenstrahlen
huschten vorüber.
„Also jetzt, 1 ” sprach Lika an ihre Porzellan
schale klopfend, „soll mir endlich der richtige Weg
zur Heimath mit dem Glück gezeigt werden. Bitte!
Sprechen Sie, meine verehrten Herren!”
Die Dichter erkundigten sich tiefernst bei dem
Triton nach dem, was das resolute Kind wissen
wollte, und dann hub der Aelteste der Dichter
also an:
„Für diejenigen Weltbewohner, die Laien und
keineKünstler sind, bedeuten dieBegriffe „Heimath”
und „Glück” etwas Andres als für uns Künstler.
Das Laienvolk verbindet eben mit den einzelnen
Worten völlig andre Geschichten. Das geht uns
natürlich Nichts an. Laiensache bleibt Laiensache!
Wir Künstler aber nennen die ganze Welt unsre
Heimath und finden überall dort unser Glück, wo
wir nach unserm Geschmack leben können. Das
Land, das Du suchst, brauchst Du also nicht mehr
zu suchen, denn Du bist ja schon da. Du willst
doch Künstlerin werden, nicht wahr?”
„Ich möchte,” erwiderte schüchtern die gute
Lika, „gern eine Künstlerin werden.”
„Das freut mich!” sprach der Dichter, „freut
mich sehr! Ich hätte Dich auch im andern Falle
zum Fenster hinausgeworfen.”
„Aber,” schrie erschrocken die Lika, „meine
Porzellanschale wäre dann doch entzweigegangen!”
„Wir Dichter sind,” fuhr der alte Herr unbeirrt
fort, „ebenfalls Künstler, ausserdem haben wir