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MAK

Full text : Jahrgang 2 (1899) (Heft 7)

sehr  oder  fast  nur  allein
von  der  Farbe  abhängt,
sich  einer  graphischen  Behandlung ­
  gegenüber  spröd
verhält.  Wie  sich  Bilder
von  den  Schotten  etwa
oder  Whistler  graphisch
auch  ausnehmen  mögen,
sie  können  uns  in  der  Reproduction
  nie  das  sagen,
was  sie  uns  unter  dem
Einfluss  ihrer  Farben  bieten. ­
  Das  Graphische  muss
sich  daher  aus  eigenen
Mitteln  gerecht  zu  werden
suchen.
Da  berührt  es  daher
wundersam,  wenn  in  dieser
dunklen  Kunst  vergangene
Zeiten  mit  so  heimlichen
und  vertrauten  Stimmen
reden,  dass  auf  einmal
starke  Düfte  aus  ihnen  hervorbrechen ­
  wie  aus  „vergessenem ­
  Flacon",  die  so
ergreifen,  während  nebenher ­
  die  Kunst  der  Farben
geht,  verschlossen  und
kalt,  wie  Aschenbrödel  in
einen  schweren  Mantel  gehüllt, ­
  unter  dem  erst  das
wahre  festliche  Kleid  verborgen ­
  ist.  Da  mussten
freilich  die  Prinzen  erst
dreimal  tanzen,  bevor  es
ganz  zum  Vorschein  kam,
wie  ehemals.  Und  wo  lag
denn  dieser  Zauber  des
Graphischen,  dieser  coup
de  foudre,  der  traf  und
wie  eine  Erkenntniss  war?
Das  war  die  unvergleichliche ­
  Fülle  an  Natur,  die
sich  in  diesen  Werken  bot!
Auf  das  Graphische  übte
die  Malerei  in  ihrer  verdorbensten
  Zeit  fast  gar
keinen  Einfluss.  Goyas
kühne  Radierungen  waren
zur  Zeit  Mengs  entstanden

SAINT-MARCEAUX  PARIS  M  C
=  PORTRÄTBÜSTE  =  MARMOR

und  Hogarths  schwerer
Naturalismus  feierte  zur
selben  Zeit  fast  seine  Siege.
Es  war  nur  schwer  Zu
begreifen,  warum  diese
Thaten  alle  wieder  so  vergessen ­
  wurden.
Dass  die  damalige  Malerei ­
  trotz  allem  wegen  des
Anscheins  der  Farben  im
Vortheil  war  und  die  arme
dunkle  Kunst  unterdrükken
  konnte,  ist  zwar  keine
Frage.  Aber  dass  diese
Kunst  für  sich,  die  doch
so  sehr  für  das  Populäre
berechnet  ist,  eben  beim
Publicum  in  den  Verfall
kam,  mag  vielleicht  nur
in  der  gleichzeitigen  Verdorbenheit ­
  dieses  durch
die  Malerei  herrühren.
Ausserdem  betrieben  die
Künstler  Graphik  meist
als  Nebensache,  zeigten
aber  hier  meist  allein  ihre
Natur.  Dass  die  Graphik
sich  aber  trotzdem  erhielt
und  in  der  Unwiderstehlichkeit ­
  ihrer  natürlichen
Auffassungen  sich  erhalten
konnte,  wobei  sie  freilich
beim  Publicum  eine  ungerechte, ­
  untergeordnete
Stellung  einnahm,  verdankt ­
  sie  hauptsächlich
ihrer  Widmung  an  die
Illustration.  Im  Allgemeinen ­
  ist  die  Illustration
verrufen  als  Unterstützung
der  Denkfaulen  und  Störung ­
  der  eigenen  Phantasie. ­
  Auch  hatten  viele
Recht,  wenn  sie  behaupteten, ­
  dass  sich  dabei
viel  Dutzendzeichnerei  eindrängte. ­
  Ja.  Es  konnte
auch  nicht  jedem  Buch
die  Ehre  widerfahren  vom
Etchingclub  illustriert  zu
            
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