Kunst noth thut und welche, die dem Leben ge
recht wird, dass seine Wunder offenbar und wie
in einer Schale von köstlichem Edelgestein ge
boten werden. Und einen solchen Ausgleich
zwischen der Natur und der Kunst strebte das
Graphische auch an.
Aber diesen hat das Graphische nicht allein
im Dienst des Tages unternommen, sondern in
seinen freieren Werken, die wie das Bild unmittelbar
künstlerisch wirken sollen. Bedeutend ist die Zahl
derer geworden, die die unabhängige Graphik
pflegen. Eine Zeit lang schien es fast, als ob sie
sich hierin aufgegeben hätte. Dem Publikum war
diese Production fast ein Geheimniss geblieben. Es
vollzogen sich aber innerhalb dieses Wirkens ge
rade die bedeutendsten Vorgänge. Sehen hatte
man von dieser Kunst schon lernen können,
jetzt sollte man auch noch die Seele vernehmen.
Man wollte mehr als das blosse Leben haben, man
wollte sein Wunder. Die rohe Kraft des Lebens
allein, die immer gleich ins Gesicht schlug, gab
immer mehr die äusserliche Bewegung, das intime
Eingehen auf diese Kraft aber gab Vorgänge, die
auch auf eine gewisse Symbolik des Aeusseren An
spruch erhoben, die die Feinhörigkeit und Fern
sichtigkeit des Künstlers verdeutlichte, Vorgänge,
die den an und für sich objektiven Gegenstand in
das Subjektive seiner Beziehungen zu allem und
jedem rückten, damit „Erweckung und Erbauung”
folgte. Es war zugleich eine Versöhnung der
Kunst, die das Ungebundene des Lebens in den
ordnenden entsprechenden Stil setzen muss.
Da setzten nun die Klinger, Thoma, Stauffer,
Blake, Whistler, Zorn, Rops und die vielen anderen
ein und suchten diese Versöhnung zu geben. Man
sah da wieder in all dem Leben die Kunst mit
der Natur gehen, die bösen stürmenden Instinkte
sich klären und über allem war die Herrscherhand
des Individuums, das sich so lange den Dingen
untergeordnet hatte. Man brauchte nicht mehr
zu verzagen, dass das ungefüge und stumme Wesen
der Körper eine qualvolle unversöhnliche und starre