MAK
P. PRINZ TROUBETZKOY 
MOSKAU 
=PORTRÄT = BRONZE 
ZWEI JAHRE 
SEZESSION 
Von LUDWIG HEVESI 
A m 3. April waren es zwei Jahre, dass 
jene Neunzehn sich aus jenen Hun 
derten loslösten — herausdividirten, 
könnte man sagen — und in die 
weite Welt gingen, die Kunst zu suchen. Die 
Leute sahen zu, kopfschüttelnd oder spottend, und 
gaben die paar Abenteurer verloren. Ein Jahr 
verging in stiller, rastloser Arbeit; die Leute war 
teten, was herauskommen würde. Das zweite Jahr 
erst konnte praktische Sezession bringen: Aus 
stellungen, das fertige Haus, die Versteigerung 
Hörmann. Die Leute staunten, lachten, rissen 
schlechte Witze, stimmten zu, lobten, waren be 
geistert. Es war ein interessantes Kapitel zur 
„Psychologie der Massen”, die ja jetzt mehrere 
Gelehrte wissenschaftlich beschäftigt. Innerhalb 
eines Jahres ist dieser grosse Umschwung einge 
treten. Die Gegner sagten missmuthig: es ist eine 
geistige Epidemie, eine Psychose der Menge, die 
vorübergehen wird. Aber sie ging nicht vorüber, 
vielmehr begannen die Gegner nach Pfaden aus 
zulugen, die es ihnen möglich machen könnten, 
ungefähr parallel mit dem breiten, geraden Wege 
der Sezession in der nämlichen Richtung fortzu 
schreiten. In diesem einen Jahre ist ganz Wien 
„sezessionistisch” geworden. Der historisch ge 
wöhnte Architekt wirft seine Stilarten über Bord 
und sucht zu vergessen, dass er im „Stilvollen” 
aufgewachsen. In den alten Kreisen scharrt man 
die Restchen von jugendlichem Sauerteig zusam 
men und ermuntert sie frisch drauf los zu gähren; 
die nämlichen Dinge, die noch vor zwei Jahren 
als unmöglich zurückgewiesen worden, erhalten 
jetzt Medaillen. Grosse Handlungshäuser, tonan 
gebende Fabriken, die vor einem Jahr noch Cita- 
dellen des Altherkömmlichen gewesen, trachten 
sich schleunigst zu verjüngen und halten „moderne” 
Lager. Die Kunstgewerbeschule, vor einigen Mo- 
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