Skip to main content Jump to sidebar
MAK

Full text : Jahrgang 3 (1900) (Heft 10)

mittel  im  letzten  Grunde  überhaupt  nicht  an.  Sobald  der
schaffende  Künstler  an  Mittheilung  denkt,  an  die  Wirkung,
die  er  erzielen  will,  ist  seine  beste  Kraft  gelähmt.  Wie  schafft
das  Kind,  das  seine  ersten  Eindrücke  von  der  Welt  auf  die
Schiefertafel  bringt?  Es  zeichnet  den  Mann,  das  Haus,  =
nicht,  damit  Vater  und  Mutter  es  loben,  oder  damit  es  seinen
Geschwistern  oder  Kameraden  imponiert,  sondern  um
einem  inneren  Drange  Luft  zu  machen.  Es  ist  Künstler.  Der
grosse  Maler  vor  seiner  Staffelei,  der  Dichter  im  Ringen  mit
Rhythmus  und  Wort,  der  Musiker,  dessen  Seele  sich  in  der
Linie  einer  aufquellenden  Melodie  bewegt,  der  Architekt,
in  dessen  Phantasie  sich  aus  dem  Chaos  der  Möglichkeiten
das  neue  Monument  krystallisiert,  sie  sind  mit  sich  allein.
Einsam  und  ganz  ohne  Gedanken  daran,  ob  andere  später
auch  folgen  werden,  ob  andere  auch  nachempfinden  können,
was  sie  selber  vorher  empfunden  haben,  gemessen  sie  die
höchste  Wonne,  die  der  Seele  beschieden  ist,  die  Wehen
des  Schaffens.  Gedanken  an  die  Mittheilung,  an  die  Wirkung
  auf  andere  gehören  dem  Vorgänge  des  Schaffens  nicht
mehr  an.  Der  göttliche  Augenblick  ist  vorüber,  sobald  sie
sich  einstellen,  UND  WER  VON  IHNEN  AUSGEHT,
DEM  KOMMT  ER  NIE.”  (Lichtwark.)  ©  ©  ©
©  Also  „Vorhergehende  Berathungen  mit  den  Vertretern
der  Wissenschaft”  wären  auch  in  diesem  Falle  nicht  nur
überflüssig,  sondern  geradezu  verderblich  gewesen.  Denn
Kunst  zu  schaffen  kann  dem  Künstler  niemand  helfen;
KUNST  entstehen  zu  lassen  ist  aber  eben  die  vorwiegende,
die  Hauptabsicht  des  Bestellers,  des  Staates.  ©0©
©  Was  soll  man  aber  erst  sagen,  wenn  die  Angreifer  sich

161
            
Waiting...

Note to user

Dear user,

In response to current developments in the web technology used by the Goobi viewer, the software no longer supports your browser.

Please use one of the following browsers to display this page correctly.

Thank you.