mit dem Künstler jede Begabung, ja selbst die normale
menschliche Beobachtungsfähigkeit und Vernunft ab, oder
er bezeichnet ihn damit als frechen Hochstapler, welcher
durch frivole Lügen Reclame für seine Person machen will.
Ist es wirklich erlaubt, derartigen Verdächtigungen so
überaus häufig Raum zu geben, als es heute noch immer
selbst in unseren civilisierteren Kreisen geschieht? = ©©
© Den ganzen Vorfall überblickend müssen wir feststellen,
dass derselbe für uns wertvoll war. Das peinliche Gefühl,
das der Anblick der protestierenden Professoren für uns als
ihre Zeitgenossen haben musste, wurde durch den Gegen=
Protest ihrer Collegen beseitigt. ©0©
© Wertvoll war der Vorfall deshalb für uns, weil er eine
Wahrheit glänzend beleuchtete, auf die immer und immer
wieder hingewiesen werden muss: DASS BLOSSE IN=
TELLIGENZ KEIN WEG ZUR KUNST IST. Die Wissen=
schaft kann verstandesmässig BEGRIFFEN, das Kunst=
werk nur NACHEMPFUNDEN, das heisst NACHGE=
SCHAFFEN und so erfasst werden. Diese Fähigkeit des
Nachempfindens, das heisst Nachschaffens ist manchmal,
aber selten als Talent von Natur aus vorhanden, in allen
übrigen Fällen muss sie erworben, mühsam anerzogen
werden. Aber „der Bildungsgang, den unsere moderne Ge=
Seilschaft zurücklegt, führt nirgends über die Flur der bil=
denden Kunst, höchstens eine Strecke durch das Gestrüpp
des kunstgeschichtlichen Unterrichts”. (Lichtwark.) ©0
© Vergessen wir doch nicht, woher wir kommen! Zu Be
ginn des Jahrhunderts „stiegen überall die unteren Schich=
ten empor. Das Mittel zu ihrer Erhebung war die Intelligenz,
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