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MAK

Full text : Jahrgang 3 (1900) (Heft 14)

ganger  auf  den  Bänken  der  öffentlichen  Anlagen,  elegante
Herren  im  Clubzimmer,  promenierende  Damen,  zeitunglesende
  Passagiere  im  Eisenbahncoupe  und  sonst  allerlei
Scenen  aus  dem  täglichen  Leben.  ©0©
©  Allen  diesen  Blättern  ist  die  überzeugende  Lebenswahrheit
  eigen,  und  allen  merkt  man  an,  dass  der  Künstler  niemals
  aufs  Gerathewohl  arbeitet,  dass  er  keinen  einzigen
Strich  kitsch  macht,  sondern  dass  alle  seine  Arbeiten  bei  unmittelbarer
  Anschauung  der  Natur  geschaffen  sind.  ©©©
©  Jeanniots  Specialfach  ist  die  Radierung;  besonders  in  der
letzten  Zeit  hat  er  sich  stark  auf  diesen  Kunstzweig  verlegt,
und  zwar  stellt  er  augenblicklich  sehr  interessante  Versuche
zur  Erlangung  von  farbigen  Radierungen  an.  Bei  diesen
Versuchen  ist  er  zur  Entdeckung  eines  neuen  Aetzmittels
gelangt,  welches  die  feinsten  und  delicatesten  Nuancen  und
Abstufungen  vollkommen  wiedergibt  und  die  zarteste  Modellierung
  und  Abtönung  gestattet.  ©©©
©  Indessen  ist  Jeanniot  nicht  ausschliesslich  Radierer:  er  hat
zahlreiche  Oelgemälde,  Pastelle  und  Lithographien  geschaffen,
  und  in  den  Ausstellungen  des  Champ  de  Mars  ist  er  alljährlich
  in  mindestens  zwei  Kunstgattungen  vertreten.  Im
grossen  Publicum  ist  Jeanniot  immer  noch  nicht  so  bekannt
und  geschätzt,  wie  er  es  als  Illustrator  vieler  gelesener  Bücher
sein  sollte,  aber  die  Künstler  wissen  sein  Talent  zu  würdigen.
©  Auf  der  Weltausstellung  hat  er  ausser  mehreren  Radierungen
  und  Zeichnungen  drei  Oelgemälde;  zwei  davon  sind
verkauft,  und  zwar  wurde  das  eine,  das  Bildnis  eines  kleinen
Mädchens,  vor  zwei  Jahren  im  Salon  des  Champ  de  Mars
von  keinem  Geringeren  als  Puvis  de  Chavannes  erworben.

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