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MAK

Full text : Jahrgang 3 (1900) (Heft 14)

Das  andere  ist  ein  Damenporträt  und  gehört  dem  bekannten
Thiermaler  Gaston  Guignard.  Im  allgemeinen  kann  man
aus  der  Thatsache,  dass  ein  Künstler  viel  verkauft,  eben
nicht  auf  die  Güte  seiner  Werke  schliessen;  sind  seine  Käufer
aber  selbst  Künstler,  so  mag  der  Laie  getrost  diesem  Beispiele
folgen,  denn  an  einem  Maler,  dessen  Arbeiten  von  seinen
Collegen  gekauft  werden,  muss  schon  etwas  Apartes  sein.
Das  Aparte  an  Jeanniot  scheint  mir  darin  zu  liegen,  dass
er  nur  Gesehenes  darstellt,  dass  er  nur  das  Wichtigste  gibt
und  alles  Nebensächliche  beiseite  lässt,  und  dass  er  in  seinen
farbigen  Sachen  die  Farben  in  discreter,  wohlthuender  und
vornehm  harmonischerWeise  zusammenbringt.  Die  beiden
letzten  dieser  Eigenschaften  hat  er  mit  Puvis  de  Chavannes
gemein,  und  das  mag  wohl  den  grossen  Decorator  bewogen
haben,  das  erwähnte  Porträt  zu  kaufen.  Wie  Puvis  gibt  Jeanniot
  in  seiner  Zeichnung  nur  eine  Synthese,  er  verzichtet  nuf
alles  nebensächliche  Beiwerk  und  beschränkt  sich  auf  die
Wiedergabe  der  bestimmenden  Hauptlinien.  GG©
©  Davon  abgesehen,  ist  freilich  ein  himmelweiter  Unterschied
  zwischen  den  beiden  genannten  Künstlern.  Puvis
schwebt  hoch  über  dem  irdischen  Leben  in  einer  idealen
Sphäre,  Jeanniot  steht  fest  und  sicher  auf  dem  Boden  der
Wirklichkeit,  und  was  er  anstrebt  und  sucht,  ist  diese  Wirklichkeit
  in  überzeugender  Greifbarkeit  darzustellen.  ©G©
©  Puvis  de  Chavannes  ist  ein  Seher  wie  Dante  und  Milton,
  Jeanniot  liesse  sich  eher  mit  den  grossen  englischen
Realisten  Smollet  und  Fielding  oder  aber  mit  Maupassant
und  Courteiine  vergleichen.
0  Paris.  KARL  EUGEN  SCHMIDT.

2.26
            
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