PIERRE GEORGE JEANNIOT.
AS Charakteristicum sämmtlicher Arbeiten Jean=
niots ist die überzeugende Wahrheit, die uns aus
jedem seiner Blätter entgegenleuchtet. Er schildert
kein Theater, sondern Leben, keine Bühnenhel=
den, sondern Menschen. Das ist umso bemerkenswerter, als
gerade auf dem Gebiete, wo Jeanniot am bekanntesten ist,
die hohle tönende Phrase und die hochtrabende nichts=
sagende Pose immer vorgeherrscht haben und noch heute
vorherrschen. In der That hat die Malerei wohl nirgends so
sehr die Wahrheit gefälscht, nirgends ist sie so stolz auf Stel=
zen gegangen, nirgends hat sie dem Leben entschlossener
den Rücken gekehrt und das Theater entschiedener bevor=
zugt als in der Darstellung von Soldaten und Schlachten.
Das ist von jeher so gewesen, und sogar Künstler, die in
einer naturalistischen Zeit gelebt haben, und die selbst in
nicht militärischen Dingen ausschliesslich die Wahrheit des
Lebens und der Natur wiederzugeben bestrebt waren, ma=
chen sich dieses Fehlers schuldig. © © 0
© Zu einer Zeit, wo Hals, Brouwer, Teniers, Ostade und
viele andere sich bemühten, nur das Gesehene wiederzu=
geben, schuf Wouwerman seine unzähligen Reiterbilder, die
trotz ihres kleinen Masstabes immer etwas an Theatervor=
hänge erinnern, malten Lebrun und van der Meulen ihre
Riesenschlachten, worauf die Gäule und Menschen sich be=
nehmen wie Circuskünstler, und selbst der grosse Realist