worden und sucht seine Vorbilder anderswo. Dabei aber
kann er seiner ersten Liebe nicht vergessen, und von Zeit
zu Zeit kehrt er wieder zu den „petits pioupious” zurück.
0 Und diese „petits pioupious”, wie der Franzose schmei=
chelnd die kleinen Rothhosen der Infanterie nennt, kennt
Jeanniot wie kein anderer Maler. Detaille kennt die Uni=
formen und kann Ihnen genau sagen, wie viele Knöpfe auf
dem Rocke eines Chasseur ä cheval zur Napoleonszeit ge=
sessen haben, und wie hoch der Halskragen eines Infanterie=
Unterofficiers im Kriege von 1870/71 gewesen ist. Aber den
Soldaten, den gemeinen Dreijährigen, dieses geplackte, zum
Maschinentheile herabgedrückte Herdenwesen, den kennt
Detaille nicht, und auch Meissonier und Neuville haben ihn
nicht gekannt. ©0©
0 Jeanniot kennt ihn und zeigt ihn, wie er ist; zeigt ihn
mit so packender Lebenswahrheit, dass der Anblick einer
lebendigen Soldatenschar uns nicht besser von der Realität
ihrer abgehetzten Müdigkeit überzeugen könnte als die Li=
thographie des Künstlers, welche die auf der schmutzigen
Strasse im strömenden Regen dahinziehenden, zum Umfab
len müden, den erschlafften Körper nach vorwärts neigen=
den Soldaten darstellt. Da ist die Untersuchung der Militär=
pflichtigen: unschöne, zum Theil missgestalte, linkische und
ungelenke Körper: die armen Schelme, die man da zum
erstenmale in ihrem Leben zwingt, sich am hellichten Tage
vor einer ganzen Versammlung nackt auszuziehen, schämen
sich ihrer Blösse, und ihre Verlegenheit macht ihre Haltung
noch ungeschickter und steifer. Da ist kein Heldenthum,
keine Phrase und Pose, nichts bleibt als ungeschminkte Na=
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