in feinem Grau gehalten und entschieden das beste Stück
der Abtheilung. ©0©
© Die Ursache der Aufregung lag besonders darin, dass die
Japaner alles Nackte in öffentlich sichtbaren Bildern oder
Photographien durchaus vermeiden. Auch die Missionäre
haben viel dazu beigetragen, das Bild Curoda’s als etwas
Unerlaubtes hinzustellen. Aber es blieb trotz aller Versuche,
es zu entfernen, in der Ausstellung, nur musste ein Polizist
dabei wachen. Im Leben sind die Leute in Japan nicht so
prüde. Man kann sie auf der Strasse ihre Kinder säugen
und sich baden sehen. Bei offenen Läden sitzen indenThee=
häusern junge Mädchen und frisieren sich mit entblösstem
Oberkörper; wiederholt trat ich in Bäder ein, wo Herren
und Damen, gänzlich unbekleidet, durch eine Stange ge=
trennt, neben einander badeten. ©©©
© Aber in öffentlichen Ausstellungen war man so etwas
nicht gewöhnt, vorgeführt zu sehen. Es geht eben heute ein
Zwiespalt durch das ganze japanische Leben. Immerhin
versteht man Japans Kunst doch ganz anders, wenn man
das Land kennt; es erscheint Alles selbstverständlich und
einer unbedingten Nothwendigkeit entsprungen. Dieser ru=
higen, naturgemässen Entwicklung, die auch die geringen
fremden Einflüsse in Müsse verarbeiten liess, verdankte die
japanische Kunst vor Allem ihre Erfolge. Aber während
sich jetzt das alternde Europa an der Ursprünglichkeit Ja=
pans erfrischt, geht dieses an unserem Raffinement, für das
ihm die Vorbedingungen fehlen, zu Grunde. ©©©
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ÖSTERR. MUSEUM
F. ANGEW. KUNST
BIBLIOTHEK