MAK
einige abgeguckte Motive das moderne Kunstwerk nicht aus. 
© Aber warum sind unsere Handwerker und viele Halb= 
künstler unehrlich, warum machen sie etwas, was ihrem 
Empfinden so wenig entspricht? Der Besteller verlangt es. 
Und warum verlangt es der Besteller? Nicht weil ihm das 
Neue gefällt: er kennt das Wesen desselben ja gar nicht; son= 
dern, weil er es bei Leuten sieht, die ihm vornehmer dün= 
ken, als er selbst ist, und denen er darum nachstreben will. 
© Da liegt der Hase im Pfeffer. Wir müssen dem Volke Ach= 
tung vor sich selbst beibringen. Wir müssen seine künstle= 
rischen Bedürfnisse als ebenso berechtigt anerkennen wie 
unsere; dann wird es sich seiner Sprache nicht schämen und 
seine Wortführer nicht zur Unehrlichkeit zwingen. ©© 
© Ehrlich ist nur der Künstler und Könner, der die Formen 
mit seinem Geiste erfüllt; man kann Worte und Redensarten 
gebrauchen, die 
auch andere vor 
uns schon ge= 
braucht haben, 
nur müssen wir 
auch Gedanken 
haben, die wir 
damit aus= © 
drücken=sonst 
sind wir Phra= 
seure, und das 
ist unehrlich. © 
© Die biedere 
Mundart hat © 
auch neben der 
feinsten Schrift= 
spräche ihr © 
Recht; gräss= 
lieh ist der Jar= 
gon gewisser 
Stadtkinder, 
der Gauner= © 
spräche riesig 
verwandt. = 
Gebt Euer Em= 
pfinden, so seid 
Ihr ehrlich! © 
M. DREGER. 
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