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MAK

Full text : Jahrgang 4 (1901) (Heft 14)

ersten  Stile,  das  der  gute  Wiener  so  gar  nicht  begreifen
konnte.  Aber  dann  seht  daneben  in  seinen  Skizzen  für  kleine
Häuser  oder  kommt  und  seht  gleich  bei  mir  das  Dach  an!
Wie  treu  und  innig  ist  da  das  Schützende,  das  Bergende,
das  mütterlich  Sorgende  des  Daches  empfunden,  das  so
rein  und  schlicht  nur  das  Gemüth  eines  bedrohten  deutsehen
  Bauers  ergreifen  kann!  Denkt  an  die  Decoration  für
Strassers  Antonius  =  der  Hidalgo!  Denkt  an  das  Kinderzimmer
  bei  Friedmann  oder  erinnert  Euch  seiner  Zärtlichkeit
  für  Blumen  an  den  Fenstern  oder  seht  in  seinem  Darm=Städter
  Hause  das  „grüne  Gastzimmer”  an,  das,  wie  er
selbst  gesagt  hat,  „einem  frischen  Morgen  gleicht”  =  es  ist
das  alte  deutsche  Volkslied,  das  in  ihm  singt!  Denkt  an  seine
Thürklinken,  Schlösser  und  Griffe,  an  seine  Lust,  in  Ornamenten
  mit  der  Geometrie  zu  spielen,  an  die  Verwegenheit,
mit  der  er  oft  die  Strenge  und  Stille  seiner  Architektur  durch
einen  Witz  oder  Spott  unterbricht  =  das  ist  der  unsterbliche
Kelte  in  uns  allen,  der  scherzend  zum  Ernste  des  Lebens
seine  sorglose  Musik  macht,  die  alles  in  Tanz  auflöst.  Die
Frage  seiner  Entwicklung  war  nun,  ob  es  ihm  gelingen
würde,  diese  Elemente  zu  bewahren,  aber  zu  verbinden.
Behielt  er  sie,  ohne  sie  jedoch  auszugleichen,  so  blieb  er  ein
nur  interessanter  Künstler,  der  wohl  anregend,  aufregend
wirken  mochte,  aber  die  Beruhigung  der  grossen  Kunst
vermissen  liess.  Schied  er  ein  Element  aus,  um  harmonisch
zu  werden,  so  hätte  er  leicht  ein  Meister  scheinen  können,
aber  mit  einem  schlechten  Gewissen,  bei  sich  von  der  verleugneten
  Natur  gequält.  Er  hatte  aber  die  Kraft,  nicht  zu
verzichten,  alles  zu  bewahren  und  doch  jedes  Element  so

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