ersten Stile, das der gute Wiener so gar nicht begreifen
konnte. Aber dann seht daneben in seinen Skizzen für kleine
Häuser oder kommt und seht gleich bei mir das Dach an!
Wie treu und innig ist da das Schützende, das Bergende,
das mütterlich Sorgende des Daches empfunden, das so
rein und schlicht nur das Gemüth eines bedrohten deutsehen
Bauers ergreifen kann! Denkt an die Decoration für
Strassers Antonius = der Hidalgo! Denkt an das Kinderzimmer
bei Friedmann oder erinnert Euch seiner Zärtlichkeit
für Blumen an den Fenstern oder seht in seinem Darm=Städter
Hause das „grüne Gastzimmer” an, das, wie er
selbst gesagt hat, „einem frischen Morgen gleicht” = es ist
das alte deutsche Volkslied, das in ihm singt! Denkt an seine
Thürklinken, Schlösser und Griffe, an seine Lust, in Ornamenten
mit der Geometrie zu spielen, an die Verwegenheit,
mit der er oft die Strenge und Stille seiner Architektur durch
einen Witz oder Spott unterbricht = das ist der unsterbliche
Kelte in uns allen, der scherzend zum Ernste des Lebens
seine sorglose Musik macht, die alles in Tanz auflöst. Die
Frage seiner Entwicklung war nun, ob es ihm gelingen
würde, diese Elemente zu bewahren, aber zu verbinden.
Behielt er sie, ohne sie jedoch auszugleichen, so blieb er ein
nur interessanter Künstler, der wohl anregend, aufregend
wirken mochte, aber die Beruhigung der grossen Kunst
vermissen liess. Schied er ein Element aus, um harmonisch
zu werden, so hätte er leicht ein Meister scheinen können,
aber mit einem schlechten Gewissen, bei sich von der verleugneten
Natur gequält. Er hatte aber die Kraft, nicht zu
verzichten, alles zu bewahren und doch jedes Element so
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