und Verachtung für dieses „Publicum” muss uns ergreifen,
wenn wir das immer und immer wieder sehen. Denn wenn
einer ist, der, ausser Thoma, sich gibt ohne Masken und
ohne „Kunst=machen=wollen”, so ist dies Laage. Ist den
Betrachtenden das Wie seiner Werke ganz oder theilweise
unverständlich, so müsste dem, der sich Herz und Sinne
unverkrüppelt bewahrt hat (aber: wer hat das?), das Was
zu Herzen gehen. Das soll nicht sagen, dass dem Was vor
dem Wie in der Beurtheilung ein Vorrang eingeräumt wer=
den soll, noch umgekehrt. Bei Laage ist, wie bei allen wahr=
haften Künstlern, das eine dem andern congruent und ihr
Verhältnis nicht anders zu denken. Es ist nothwendig so,
wie es ist. Das ist seine grösste Stärke und Schönheit. Das
Wie zu beurtheilen kann der Betrachter lernen, bis zu
einem gewissen Grad, wenn er den guten Willen hat und
sich Mühe gibt. Und er muss sich Mühe geben. = ©©©
© Das tiefste Element in Laages Kunst ist seine heimat=
liehe Landschaft. Heide, Watt und Meerküste. In seinem
Gesicht ist kein anderer Ausdruck als in seiner Kunst.
Mensch und Kunst decken sich vollkommen, wie es sein
muss. Seine Heimat zeigt ihm in der Einsamkeit ihr sonst
verhülltes Gesicht. Er lebt mit ihr, identisch geworden mit ihr,
ihre Einsamkeit, Armut, Schwermuth, geheime Lieblich=
keit, Weite, Grösse und Kraft. Ihr Gesicht wird menschlich
und schwebt als eine Art Christus oder, wie Laage es sagt:
„kurz, ein Mensch, der schon gelitten hat” über die unend=
lieh sich dehnende Heide und gibt in der ausgestreckten
Hand den Vogelschwärmen des Himmels Nahrung; = oder
tröstet ein kleines, verlassenes Kind, das nichts ist als selbst
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