MAK
Misston der Entrüstung ausbrachen. ©0© 
© Der Sieg über die Originalität, höchste Selbstbezwin= 
gung, die Deplacierung des Ehrgeizes auf ein anderes Ni= 
veau, das ist Minne. Und es liegt so etwas in der Luft, und 
in dieser selben Ausstellung ist es an anderen Dingen zu 
spüren, eine Sehnsucht nach etwas Unpersönlichem, weil 
im höheren Sinne Persönlichen, ein Drang nach einem 
Gemeinschaftlichen, nach Conventionen, die dem wilden 
Eigendünkel Zügel anlegen, nach Ruhe. Darnach strebt 
Minne, und das Ziel ist ihm wichtiger als das Mittel. Ob 
ihm dabei archaistische Tendenzen unterlaufen wie bei den 
drei heiligen Frauen, ist von epidermaler Bedeutung, auch 
ob das Einzelne schön ist. Minne träumt von der Schönheit 
jener wunderherrlichen Figuren, die die Portale der Ka= 
thedralen im Norden schmücken und schön sind da, wo sie 
stehen, er träumt von Baukunst in der Sculptur; neue und 
uralte Träume, vergessene Ideale, seitdem das allein selig= 
machende Malerische alle Fragen der Bildhauerei ver= 
wischt hat, Nothwendigkeiten, seitdem wir erkannt haben, 
wie arm wir mit all unserer Kunst, mit all unseren Origi= 
nalitäten geworden sind. ©0© 
© Das hat diesem vlämischen Bauernsohn, der bei Brügge, 
fernab von der Cultur, seine Figuren ersinnt, das Actuelle 
gegeben. Aber er hat nicht den Moment abgepasst, er ist 
mehr als einer, der seine Zeit versteht. Er arbeitet schon 
recht lange so; früher, als man für oder gegen das Ornament 
zu streiten anfieng, schrieb er seine Ornamentik, und er liess 
es sich ein Jahrzehnt voll Hunger und Elend kosten. Dieses 
strenge Programm schrieb er ganz unprogrammatisch, ganz 
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