zu bringen, zu welchem es sich überhaupt erheben kann.
Es ist aber ebenso ihre Pflicht, da eine wahrhafte, das
ganze Leben der Nation ergreifende Kunst ja doch nur zum
einen Theil auf den Schaffenden, zum andern Theil auf den
Empfangenden beruht, auch für die Erziehung des alb
gemeinen Geschmackes so zu sorgen, dass dieser den Ab=
sichten der Künstler nachkommt, ja am Ende beide, die
Werke der Künstler und die Wünsche der Laien, niemals
sich ganz erreichend, niemals sich ganz verlierend, an ein=
ander immer reifer und reiner werden. Bald wird ein Ta=
lent weiter sein als das Publicum; da ist die Frage: wie
bringt man es ihm nach ? (Da ist der Moment, wo man sich
am besten mit ausländischen Werken hilft, die das Publi=
cum ja immer mit grösserer Freiheit und Unbefangenheit
als die heimischen aufnimmt.) Bald bemerkt man, dass
irgend ein Talent plötzlich zu stocken, ja oft förmlich zu
versagen scheint; da ist die Frage, wie man es aus solchen
Pausen oder Krisen, die keiner Entwicklung erspart bleiben,
hinwegheben könne: entweder indem man ihm Werke
verwandter Künstler zeigt, die ihm gleichen, aber schon an
einem höheren Punkte angelangt sind, um ihm durch sie,
gleichsam wie durch Schrittmacher, welchen es sich anr
hängen kann, einen neuen Schwung zu geben, oder aber,
indem man die Forderungen des Publicums so zu steigern
weiss, dass sie es sind, die das Talent zum Aeussersten
treiben. ©O©
© Traurig ist nur, wie wenige diesen Sinn unserer Aus=
Stellungen begreifen. Man lobt und man tadelt, man ereifert
sich, man lärmt, ohne jemals vom Einzelnen loszukommen,