DIE MALEREI UNSERER ZEIT.
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S geht durch unsere Zeit die
Sehnsucht nach Rückkehr in die
begrenzte Heimat dieser Kunst.
^Die Malerei besinnt sich ihrer
^ eigensten Ausdrucksmittel und träumt
von einer Welt, die, abgeschlossen in
sich, tief im Innern des Menschen ruht
und ihrer Auferstehung harrt. Ein klei=
nes Paradies möchte sie zaubern, wie
alle echten Kunstzeiten ein solches
gezaubert haben. Und an die Pforte will sie als Hüter
das menschliche Auge stellen, das sinnliche Auge, das
die Aussenwelt als Erscheinung in das Innere leitet und
bei entwickelter und gesteigerter Fähigkeit des inneren
Schauens Harmonie und Rhythmus in diese Erscheinung
zu bringen weiss. Ein bewusstes und doch kindliches Auge,
das die Sterne am Himmel blitzen sieht und die Schauer
ewiger Grösse im Innern lebendig macht, das in die Tiefe
eines Blumenkelches sich versenkt und eine Welt von
Schönheit erstehen fühlt, eine Schönheit, die sich nicht
greifen, nicht ausdenken lässt. Sie webt ihre Herrlichkeit
aus Licht, Farbe und Bewegung und will durch das Auge
in das menschliche Herz einziehen. So träumt die Gegen=
wart von einem entwickelten Sinnesorgane, das, wie das
Ohr Mozarts in jener hohen Zeit der Tonkunst, die Ge=
heimnisse seiner Welt zu ergründen vermag. Und alle ihre
tastenden Versuche, die befremdend und beirrend, oft miss=
Buchschmuck.
Für V. S. gez. v
J.Hoffmann OM
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