eine so unglaubliche Reinheit des Tones, eine so menschliche,
so seltsam berührende Klangfarbe kommt darin zum Ausdruck.
Diese Tonlinien sind so unendlich, so rein, lauter, so
einfach: sie sind von aller Last befreit. Sie führen wie eine
leichte Brücke über ein tiefes und dunkles Wasser. Sie offenbaren
eine Anmut, die sich nur mit der Linie Botticellis
vergleichen läßt. Es ist etwas darin wie die Frische einer
Quelle; wie ein junges, erstes Grün im Frühling; wie der
tiefe, staunende Blick eines Kindes. Unvergleichlich schön
ist es, dieses Spiel der Töne nun zu verfolgen; sie kommen
überall her, von vorn, von den Seiten und von ganz, ganz
hinten. Sie fallen in das Herz wie ein leichter Tau auf die
Gräser. Sie vereinen sich und müssen sich wieder trennen =
zu schnell vereint. Fast verlieren sie sich wieder in der
Fülle. Doch nun = nun fließen sie endlich zusammen. Und
still hört man, wie nun über diese Macht wieder ein feiner,
seltsamer Ton sich ausbreitet; zaghaft kommt er heran; man
weiß nicht woher; etwas Unbekanntes, Fremdes, Rührendes
hat er an sich; doch schwillt er langsam. Ja er schwingt
sich triumphierend und höher zum Ende über das Chaos,
und nun versinken in ihm diese ganzen, gequälten Massen,
beruhigt und entsühnt. 0©0
© Wir bringen unsere Empfindungswelt auf Instrumenten
zum Tönen, die der Drang und der Wille einer früheren Zeit
formte. Kein Instrument haben wir erfunden, das uns dieNüancen
unseres Empfindens wiedertönt. Wie wundervoll muß
das Entzücken gewesen sein; es ist schon lange her. Aus
einem Material, das dir bis dahin so fremd war, ganz fremd,
2l3