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MAK

Full text : Jahrgang 5 (1902) (Heft 14)

eine  so  unglaubliche  Reinheit  des  Tones,  eine  so  menschliche,
so  seltsam  berührende  Klangfarbe  kommt  darin  zum  Ausdruck.
  Diese  Tonlinien  sind  so  unendlich,  so  rein,  lauter,  so
einfach:  sie  sind  von  aller  Last  befreit.  Sie  führen  wie  eine
leichte  Brücke  über  ein  tiefes  und  dunkles  Wasser.  Sie  offenbaren
  eine  Anmut,  die  sich  nur  mit  der  Linie  Botticellis
vergleichen  läßt.  Es  ist  etwas  darin  wie  die  Frische  einer
Quelle;  wie  ein  junges,  erstes  Grün  im  Frühling;  wie  der
tiefe,  staunende  Blick  eines  Kindes.  Unvergleichlich  schön
ist  es,  dieses  Spiel  der  Töne  nun  zu  verfolgen;  sie  kommen
überall  her,  von  vorn,  von  den  Seiten  und  von  ganz,  ganz
hinten.  Sie  fallen  in  das  Herz  wie  ein  leichter  Tau  auf  die
Gräser.  Sie  vereinen  sich  und  müssen  sich  wieder  trennen  =
zu  schnell  vereint.  Fast  verlieren  sie  sich  wieder  in  der
Fülle.  Doch  nun  =  nun  fließen  sie  endlich  zusammen.  Und
still  hört  man,  wie  nun  über  diese  Macht  wieder  ein  feiner,
seltsamer  Ton  sich  ausbreitet;  zaghaft  kommt  er  heran;  man
weiß  nicht  woher;  etwas  Unbekanntes,  Fremdes,  Rührendes
  hat  er  an  sich;  doch  schwillt  er  langsam.  Ja  er  schwingt
sich  triumphierend  und  höher  zum  Ende  über  das  Chaos,
und  nun  versinken  in  ihm  diese  ganzen,  gequälten  Massen,
beruhigt  und  entsühnt.  0©0
©  Wir  bringen  unsere  Empfindungswelt  auf  Instrumenten
zum  Tönen,  die  der  Drang  und  der  Wille  einer  früheren  Zeit
formte.  Kein  Instrument  haben  wir  erfunden,  das  uns  dieNüancen
  unseres  Empfindens  wiedertönt.  Wie  wundervoll  muß
das  Entzücken  gewesen  sein;  es  ist  schon  lange  her.  Aus
einem  Material,  das  dir  bis  dahin  so  fremd  war,  ganz  fremd,

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