MAK
Zwang den Schülern, sei es in Tages= oder Abendkursen, 
zugänglich sein. Der talentvolle Mensch hat auch den Drang 
nach Bildung und ist froh, wenn ihm die Quellen des 
Wissens in reicher und freier Weise erschlossen werden. 
© Der Unterricht an den Kunstakademien ist ein himmel= 
schreiendes Unrecht, das an jungen Menschen unter staat= 
licher Aufsicht verübt wird. Im gänzlichen Mißverstehen 
der Aufgabe wird der Schüler zur geistlosen Nachäfferei der 
Natur erzogen. Jahraus, jahrein knarrt die Maschine in 
öder, alle besseren Keime erstickender Weise. Alles ist 
zwecklos. Ein Jahr für Gipsabgüsse, ein Jahr vor dem Natur= 
köpfe, eines vor der menschlichen Gestalt, ein Jahr malen. 
Tagaus, tagein dasselbe. Wozu? warum? Sind Studien 
Selbstzweck? Nur in der Verwertung werden die Studien 
fruchtbringend, werden die Stunden der Arbeit lebendig, 
wie Vokabeln nur im freien Gebrauch zu sinnvollen Worten, 
zur Sprache werden. ®®® 
© Für diese Verwertung geschieht nichts! = Meister= 
schulen! = Arbeiten hier die Schüler mit dem Meister zu= 
sammen, der, selbst mit großen Aufgaben beschäftigt, 
Gehilfen braucht, die an seinem Werke mitwirken und 
arbeitend lernen, wie in der großen Zeit alter Kunst. Keine 
Spur» = Die Meister haben keine Aufträge und so krönen 
die Meisten oder Spezialschulen erst das herrliche Bil= 
dungswerk der Kunstakademien, indem sie die Schüler 
zwecklosen Spielereien oder dem Müßiggänge preisgeben. 
© Dann verläßt der „Künstler” die Anstalt, um zumeist als 
wahrer Schmarotzer ein bedauernswertes Leben zu fuhren, 
dem der Stempel des Zwecklosen und Unnützen auge 
prägt ist. ERNST STOHR. 
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