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MAK

Full text : Jahrgang 5 (1902) (Heft 3)

Monumentalbaues,  wie  sie  diesen  Gerüchten  zufolge  beabsichtigt  wird,  unter
keinen  Umständen  zu  gestatten.
Die  Stelle,  die  zunächst  berufen  wäre,  einem  solchen  barbarischen  Vorhaben
Einhalt  zu  tun,  die  Kommission  zur  Erhaltung  der  Baudenkmale,  bietet  ihrer
ganzen  Tätigkeit  nach  leider  keine  Gewähr  für  den  Schutz  dieses  Kleinods
gegen  kunstfeindliche  Absichten.  Beweis  dessen,  daß  seit  geraumer  Zeit  alle
Restaurierungsarbeiten,  von  denen  sie  ja  Kenntnis  haben  muß,  in  Neuhersteh
lungen  ausarten.
Die  Freunde  der  Umgestaltung  des  Portals  werden  betonen,  daß  es  sich
im  vorliegenden  Falle  ja  gerade  um  die  Entfernung  einer  solchen  Neuherstel'
lung,  wenn  auch  einer  schon  sehr  alten,  um  die  Beseitigung  des  zu  dem  romanb
schenPortal  später  hinzugekommenen  vordersten  gotischen  Bogens  nämlich,  und
um  die  ^Wiederherstellung  des  angeblich  ursprünglichen  Zustandes  handle.
^Vir  erwidern,  daß  dieser  erste  gotische  Bogen  zu  gotischer  Zeit  entstanden,  also
echt  ist,  und  halten  dafür,  daß  auch  an  dieser  Stelle  ein  echter  gotischer
Bogen  einem  heute  herzustellenden,  somit  gefälschten  „romanischen  Bogen
vorzuziehen  sei.  ,
Wir  sind  in  der  Lage,  Eurer  Exzellenz  Aufmerksamkeit  auf  einen  ge'
wichtigen  Gewährsmann  für  die  Richtigkeit  unserer  Anschauungen  lenken  zu
können,  auf  John  Ruskin,  der  in  der  VI.  Betrachtung  seiner  „Sieben  Leuchter
der  Baukunst”  folgende  herrliche  WWorte  spricht:
„Die  sogenannte  Restaurierung  ist  die  schlimmste  Art  der  Zerstörung  von
Bauwerken.  Weder  vom  Publikum,  noch  von  denen,  deren  Obhut  die  öffemy
liehen  Baudenkmäler  anvertraut  sind,  wird  die  wahre  Bedeutung  des  Vvörtes
,Wiederherstellung’  (Restaurierung)  verstanden.  Heute  bedeutet  sie  die  voll'
ständigste  Zerstörung,  eine  Zerstörung,  aus  der  keine  Bruchstücke  gerettet
werden  können,  von  einer  falschen  Vorstellung  des  zerstörten  Werkes  begleitet,
falsch  auch  in  einer  parodistischen  ^Weise,  die  verabscheuenswerteste  aller  Falsch'
heften.  Täuschen  wir  uns  doch  nicht  über  diesen  wichtigen  Punkt:  es  ist  ganz
unmöglich,  so  unmöglich  wie  die  Toten  zu  erwecken,  irgend  etwas  wieder'
herzustellen,  das  jemals  groß  oder  schön  in  der  Baukunst  gewesen  ist.  Das
Leben  des  Ganzen,  der  Geist,  der  nur  durch  die  Hand  und  das  Auge  des  Arbei'
ters  übertragen  wird,  kann  niemals  wieder  zurückgerufen  werden.  Ein  änderet
Geist  mag  durch  eine  andere  Zeit  gegeben  werden  und  dann  ist  es  ein  neues

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ÖSTERR.  MUSEUM
F.  ANGEW.  KUNST
BIBLIOTHEK
            
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