aufs Papier, Gewinste für die bevorstehende Tombola. Er
zeichnet Brot für Witwen und Waisen, denn er ist das Herz
für alle diese Sand= und Seekinder, und auch ihr Kopf, wenn
sie einen brauchen, der für sie denken soll. Sein Lachen ist
ihre Heiterkeit, sein Ernst ihre Nachdenklichkeit; er ist ihnen
Kind und Vater zugleich. Sie kennen ihn, aber er kennt sie
besser. Er sieht unter ihre Oberfläche, er liest ihnen ihr Leben
vom Gesichte ab. Mehr noch, er fühlt aus ihnen ihr Gefühl
heraus, ihre Gemütsart berührt ihn heimlich so oder so, daß
er sie suchen oder meiden kann. Kein Menschenkenner, ein
Menschenfühler. Ein Naiver, der aufjauchzt über eine Naive=
tat. Ein Guter, der jubelt über jede Güte. Und alles das un=
ausgesetzt ausströmend aus allen seinen Fingern, aus den
Fingern eines Künstlers. ©0©
© Lange genug hieß es: Toorop ist kein Künstler für
Wien. Warum nicht? Ist nicht Wien die Stadt Klimts? Ein
Wiener Kunstfreund, der ihn letzthin in Katwijk aufsuchte,
berichtet: Sein erstes Wort war Klimt. Ihm ist Wien und
Klimt gleichbedeutend. Er sehnt sich schon nach Wien und
Klimt und er wird kommen. Es steht in seinen Briefen zu
lesen, in seiner kräftig federnden, gedrängt gekräuselten
Handschrift, die auch manches kleine Rätsel zu lösen gibt.
© Seine letzte Wiener Ausstellung hat manches Auge für
ihn geöffnet. Neben jenen überdeutsamen Mysterien, in
denen schließlich der sinnsuchende Sinn sich am reinen
Augenzauber der Linie und Farbe beruhigte, hingen jene
Studien aus dem unzweideutigen Leben, jedes Blatt ein
Meisterstück. Man denke an die vornehme Engländerin,
deren Linienzug im dünnen Bleistiftstrich wie vergeistigt
75