fluten, in kreisenden Wirbeln und Spiralen, in uralt=urneuen
Geometrien. Ein Leben der Atome, ein Atmen der Poren,
alles unbewußt und ungewollt, unwillkürlich und uner=
klärlich, schließlich aber tadellos krystallisiert, wie nach
drakonischem Gesetz und heiligem Richtscheit. © © ©
© Phantasmagorie, Dithyrambus. © © ©
© Wach!... Erwachen wir aus dieser Hypnose, die der
Gedanke an Toorop hervorruft. Aus dem Rausch und
Traum, in den er uns verlockt, der benebelnde Hellseher,
der undeutbare Deuter. Wie soll man ihn noch nennen?
Einen stummen Fragenfrager und stillen Rätselrater; einen
Knotenknüpfer der Linie und Problemloser der Farbe. Tolle
Worte schleichen sich heran und überrumpeln plötzlich,
wenn man seine Kunst aussprechen will. Sie ist nicht
auszusprechen, nicht niederzuschreiben. Eher könnte ein
Pantomimiker sie durch Geberdenspiel definieren, aber er
müßte ein Symboliker sein wie Toorop. Und auch dann
käme er zu kurz. Denn dieser Symboliker Toorop ist selbst
ein Symbol. Jahrtausendelange Fäden wandern langsam,
heimlich, um den ganzen Erdball herum, von niemandem
geahnt, und treffen urplötzlich in einem javanischen Dorfe
von unaussprechlichem Namen zusammen. Eine nor=
wegisch=englisch=holländisch = javanische Seele ist dasEr=
gebnis dieses Stelldicheins. Die Seele eines Kindes wird zum
Symbol der ganzen Menschheit, die wieder einmal in einer
einzigen Blüte vereinigt ist, jedes Blütenblatt eine Rasse,
jede Farbe eine Kultur, eine Zone, ein Klima, jeder Staub=
faden eine Volksart. Als in vorbiblischer Zeit jener Babel=
türm gebaut wurde, ereignete sich das große Mysterium
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