der Zerstreuung. Der liebe Gott wurde Neo=Impressionist
und wollte von da an sein Weltgemälde mit getrennten
Farben ausführen. Das ist auch geschehen und darum hat
die Welt ein so unerreichbar herrliches Kolorit. Aber schließ=
lieh muß Demiurgos doch von der Analyse wieder zur Syn=
these gelangen, wie sie vor dem Babelturm stabiliert war,
und einer seiner Versuche in dieser Richtung scheint Toorop
zu sein. In ihm ist alles menschliche Erlebnis seit Jahr=
tausenden wieder beisammen, von Buddha bis Maeterlinck,
von Wotan bis Whistler und Kropotkin. Der Weg von
Poerworedjo, wo Toorop geboren wurde, bis Katwijk aan
Zee, wo er jetzt wohnt, ist der Weg, den die Kultur der
Menschheit genommen hat. Die unausdenkbar große Bahn
der Welten, ab gespiegelt in dem schmalen Lebenspfad eines
Menschen. Auch in Eleusis und Theben und in den „Trojas”
der Druiden und im „Faust” wurde der Weg vom Himmel
durch die Welt zur Hölle in dieser Weise symbolisiert. Der
Faust dieses mystischen Reise=Epos heißt jetzt Toorop.
Früher einmal hat er anders geheißen, später einmal wird
er wieder anders heißen. — ©0©
© W eich es Abenteuer! Und welches W agnis, ihm in W or=
ten schwarz auf weiß nachzuschleichen. © © ©
© Denn wie schriebe einer die mystische Biographie Too=
rops? Früher stifteten solche Menschen Religionen. Früher
wäre auch Tolstoi ein Mohammed geworden und Ruskin ein
Zoroaster des XIX. Jahrhunderts v. Chr. Jetzt diktiert Mo=
hammed Tendenzromane, Zoroaster dichtet ästhetische
Flugschriften und Toorop zeichnet Bilder, die man nur im
Traum verstehen kann, vor denen man aber wachend fast
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