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MAK

Full text : Jahrgang 6 (1903) (Heft 1)

ward  ich  daselbst  durch  meinen  rastlosen  Fleiß,  durch  den  Eifer,  der  mich
beseelte,  als  der  ausgezeichnetste  unter  den  Schülern  bemerkbar.  Der  Lehrer
selbst,  der  sich  an  meinen  raschen  Fortschritten  erfreute  und  deßhalb  besondern
  Antheil  an  mir  nahm,  gab  mir  den  Rath,  mich  im  Figurenzeichnen
zu  versuchen,  wozu  ich  eine  besondere  Neigung  und  ungewöhnliches  Geschick ­
  zeigte.  Der  Rath  war  allerdings  gut  gemeint,  aber  in  jener  Privat-Zeichenschule
  konnte  Niemand  in  dieser  Beziehung  entsprechenden  Unterricht ­
  ertheilen.  Der  Funke,  der  in  meinem  Innern  glühte,  war  durch  den
guten  Lehrer  neuerdings  angefacht  worden.  Immer  weniger  vermochte
ich  dem  Drange  zu  widerstehen,  der  Kunst  mein  Daseyn  zu  weihen.  Ich
beschloß  die  k.  k.  Akademie  der  bildenden  Künste  zu  besuchen  und  dort
jenen  Unterricht  zu  empfangen,  durch  welchen  ich  an  das  Ziel  zu  gelangen
hoffte.  Unter  solchen  Umständen  mußte  ich  natürlich  meine  Mutter  in
Kenntniß  von  meinem  Vorhaben  und  der  Bestimmung,  welche  ich  mir  zu
geben  entschlossen  war,  setzen.  Es  war  mir  indessen  durchaus  unmöglich,
ihre  Zustimmung  zur  Wahl  eines  ihren  Wünschen  so  entgegengesetzten
Standes  zu  erhalten.  Als  sie  sah,  daß  alle  ihre  Gegenvorstellungen  vergebens ­
  waren,  griff  sie  sogar  zu  dem  äußersten  Mittel,  mir  mit  unerbittlicher ­
  Strenge  alle  Subsistenzmittel  zu  entziehen,  um  mich  hierdurch  zu
nöthigen,  den  betretenen  Weg  zu  verlassen.  =  Vergebens!  Wie  es  gewöhnlich ­
  zu  geschehen  pflegt,  so  ward  auch  hier  durch  die  Hindernisse,  welche
meiner  Neigung  entgegentraten,  diese  Neigung  nur  heftiger  entflammt.
Entschlossen,  mit  jeder  Entbehrung,  mit  jedem  Opfer  auf  dem  Pfade  der
Kunst  vorwärts  zu  schreiten,  vertauschte  ich  das  Gymnasium  mit  der  Akademie. ­
  Es  fand  sich  auch  bald  ein,  freilich  höchst  dürftiger,  Erwerb  für  mich.
Einer  meiner  Mitschüler  beschäftigte  sich  mit  dem  Koloriren  der  Bonbons
für  Zuckerbäcker  und  ließ  mich  an  dieser  Arbeit  Theil  nehmen.  Da  wir  indessen ­
  beide  am  Tage  die  Akademie  frequentirten  und  sehr  fleißig  waren,
so  konnten  wir  diesem  spärlichen  Broterwerb  nur  die  Nachtstunden  widmen. ­
  Wir  schliefen  und  arbeiteten  abwechselnd  die  Nacht  hindurch.  Schon
im  zweiten  und  dritten  Jahre  hatte  ich  an  der  Akademie  solche  Fortschritte
gemacht,  daß  mir  erste  Preise  im  Zeichnen  des  Kopfes  und  der  Figur  zuerkannt ­
  wurden.  Ich  begann  sodann,  mich  im  Miniaturmalen  und  im  Portrait ­
  zu  versuchen.  Auch  mit  diesen  Leistungen  gelang  es  mir  einige  Auf-4


            
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