ward ich daselbst durch meinen rastlosen Fleiß, durch den Eifer, der mich
beseelte, als der ausgezeichnetste unter den Schülern bemerkbar. Der Lehrer
selbst, der sich an meinen raschen Fortschritten erfreute und deßhalb besondern
Antheil an mir nahm, gab mir den Rath, mich im Figurenzeichnen
zu versuchen, wozu ich eine besondere Neigung und ungewöhnliches Geschick
zeigte. Der Rath war allerdings gut gemeint, aber in jener Privat-Zeichenschule
konnte Niemand in dieser Beziehung entsprechenden Unterricht
ertheilen. Der Funke, der in meinem Innern glühte, war durch den
guten Lehrer neuerdings angefacht worden. Immer weniger vermochte
ich dem Drange zu widerstehen, der Kunst mein Daseyn zu weihen. Ich
beschloß die k. k. Akademie der bildenden Künste zu besuchen und dort
jenen Unterricht zu empfangen, durch welchen ich an das Ziel zu gelangen
hoffte. Unter solchen Umständen mußte ich natürlich meine Mutter in
Kenntniß von meinem Vorhaben und der Bestimmung, welche ich mir zu
geben entschlossen war, setzen. Es war mir indessen durchaus unmöglich,
ihre Zustimmung zur Wahl eines ihren Wünschen so entgegengesetzten
Standes zu erhalten. Als sie sah, daß alle ihre Gegenvorstellungen vergebens
waren, griff sie sogar zu dem äußersten Mittel, mir mit unerbittlicher
Strenge alle Subsistenzmittel zu entziehen, um mich hierdurch zu
nöthigen, den betretenen Weg zu verlassen. = Vergebens! Wie es gewöhnlich
zu geschehen pflegt, so ward auch hier durch die Hindernisse, welche
meiner Neigung entgegentraten, diese Neigung nur heftiger entflammt.
Entschlossen, mit jeder Entbehrung, mit jedem Opfer auf dem Pfade der
Kunst vorwärts zu schreiten, vertauschte ich das Gymnasium mit der Akademie.
Es fand sich auch bald ein, freilich höchst dürftiger, Erwerb für mich.
Einer meiner Mitschüler beschäftigte sich mit dem Koloriren der Bonbons
für Zuckerbäcker und ließ mich an dieser Arbeit Theil nehmen. Da wir indessen
beide am Tage die Akademie frequentirten und sehr fleißig waren,
so konnten wir diesem spärlichen Broterwerb nur die Nachtstunden widmen.
Wir schliefen und arbeiteten abwechselnd die Nacht hindurch. Schon
im zweiten und dritten Jahre hatte ich an der Akademie solche Fortschritte
gemacht, daß mir erste Preise im Zeichnen des Kopfes und der Figur zuerkannt
wurden. Ich begann sodann, mich im Miniaturmalen und im Portrait
zu versuchen. Auch mit diesen Leistungen gelang es mir einige Auf-4