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© Graf Lanckoronski schreibt auf Grund dessen, was er gesehen und ge 
lesen hat, ich aber auf Grund dessen, was ich gemacht und erfahren habe. 
© Zunächst sollen die Kunstverhältnisse erörtert werden, da sie die 
Grundlage der zu behandelnden Vorkommnisse bilden. ©©© 
© Bei uns ist vieles geradezu anormal. So ist unsere Kultur nicht voll 
kommen, nicht genug eigen und seit einem halben Jahrhundert wohl 
fremdartiger als zur Zeit, da man französische Madrigale deklamierte. Es 
fällt sofort auf, wenn zwei Polen aus der Mitte der gebildeten Gesellschaft 
Zusammenkommen und mit strahlenden Gesichtern sich die erlebten Ein 
drücke im Auslande erzählen. Sie tauschen sofort Erinnerungen an jene 
besseren idealen Momente, die sie in Rom, Florenz durchlebt haben, sie 
führen jenes gleißende Gespräch, in dem in rascher Aufeinanderfolge die 
Namen aller europäischen Hauptstädte Vorkommen, mit ihrer feinen 
Kultur, ihren gesellschaftlichen Beziehungen, ihren Theatern, ihren 
Künstlern und Schriftstellern. © © © 
© Und unsere Kunst muß notwendigerweise mit diesen raffinierten, höf 
lichen und wohlerzogenen Feinschmeckern von Impressionen liebäugeln, 
sie darf ihnen gegenüber nicht polnisch sein, durch und durch polnisch 
wie sie sein will und sein könnte. Sie darf also nicht durch ihre Frische, 
Urwüchsigkeit und elementare Kraft einen so hohen Standpunkt erstreben, 
wie ihn heute etwa die russische Literatur einnimmt, neben deren mäch 
tigen Schöpfungen unsere höflichen Romane blaß erscheinen. So unter 
zieht sich der polnische Künstler bei jedem seiner Schritte einer Prüfung, 
ob seine Absicht schon irgend anderswo verwirklicht wurde = auf der 
Via Nazionale in Rom oder in Beuron oder in Venedig. Er muß sich 
glücklich schätzen, wenn es ihm gelingt, eine Idee unter dem Deckmantel, 
daß so etwas schon dort und dort, womöglich vor einigen Jahrhunderten 
gemacht worden ist, durchzuschmuggeln; besser gesagt, wenn er mit 
der Literatur nachhilft, sei es durch die Wahl des Sujets oder durch 
eine Erklärung oder auch nur durch einen wohlklingenden Titel seines 
Werkes! ©©© 
© Gerade mir ist es gelungen, durch eine entsprechende Belehrung eine 
meiner Skizzen vor drohender Ablehnung zu retten. ©©© 
© Gewöhnlich verwandeln bittere Erfahrungen den zum öffentlichen 
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