© Das Fortkommen und die Belohnung ihrer Schüler darf die Aka
demie so wenig kümmern, als die Universität der spätere Lebenslauf der
Studirenden. Bedarf der Staat Künstler zu seinen Zwecken, so mag er für
dieselben ein Examen einrichten mit bestimmten Forderungen, wie es
beim Architekten der Fall ist. Er mag auch die, welche er so anstellt,
nach Italien senden oder sie sonst reisen lassen, wie es der bestimmte
Zweck erfordert, für den er den Künstler braucht, z. B. als Lehrer an
technischen Anstalten: allein für diese Leute giebt es dann eine feste
Carriere mit Avancement, und sie wissen, wofür sie arbeiten und was sie
zu erwarten haben. Aufs geradewohl aber demjenigen Schüler, der durch
ein Bild oder eine Statue seine Befähigung zu späterer Künstlerschaft ab
zulegen scheint, zur Erreichung dieser künftigen Größe (die er nun gewiß
als sicher annimmt) drei Jahre lang ein Gehalt zu geben und ihm für die
Zukunft keine weitere Sicherheit zu bieten, ist eine grausame Verführung.
Wenn nun ein solcher Mensch mittelmäßig bleibt, ist das seine Schuld?
Soll ihn dann der Staat, der ihn so weit gelockt hat, ohne Unterstützung
lassen? Unter welchen Gesichtspunkten aber läßt sich eine solche Unter
stützung nationalöconomisch rechtfertigen? Es sind Almosen, welche so
vertheilt werden. ©©©
© Ein Künstler muß auf sich selbst basirt sein und auf das Publikum.
Ganz aus eigenem Entschlüsse ergreift er sein Metier. Er thut es, weil er
den Drang dazu fühlt. Darin allein liegt seine Berechtigung und sein Trost.
Er sagt, ich will lernen: der Staat kommt ihm zu Hülfe. Er sagt, ich weiß,
was ich wissen muß, ich will Künstler sein, will selbstständig weiter
arbeiten: = da kann keine vom Staate angestellte Commission ja oder nein
sagen. Es ist sein eigenes Risico. Er mag es versuchen. Niemand weiß,
wie der Versuch ausfällt, so gut wie kein Privatdocent wissen kann, ob er
lange Jahre fruchtloser Bemühungen vor sich hat oder übermorgen zum
Professor ernannt wird, so gut wie kein junger Mann, der mit Theater
stücken oder musikalischen Compositionen sein Glück machen will, wissen
kann, ob seine Dramen und Opern gegeben und applaudirt oder aus
gepfiffen oder überhaupt zur Aufführung angenommen werden. ©©©
© Man setze hier jedoch an die Stelle des zweifelhaften Schicksals die
geordnete Vorsorge des Staates, und die freie Thätigkeit dieser Männer
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