in Gefahr gerathen sind, unterstützt, wenn man sogar Einzelne, deren
ganzer Sinn und Fähigkeit auf solche Reisen gerichtet ist, von Anfang an
ausrüstet, so kann im Vergleiche damit auch von einer Unterstützung an
gehender Künstler die Rede sein, sei es nun, daß sie eine Anstellung, einen
Zuschuß zur Beendung des Angefangenen oder eine Belohnung für das
außerordentlich Vollendete erhalten; allein darauf hin darf Niemand die
Künstlerlaufbahn einschlagen, denn oft kann dem größten Verdienste
dennoch diese Hülfe versagt bleiben, während sie vielleicht offenbar auf
anderer Seite in den Brunnen geworfen wird. ©0©
© Denn wer soll das Genie erkennen? Es ist freilich die Pflicht eines
Volkes, seine großen Künstler zu beschäftigen. Es wäre eine Beleidigung
der gütigen Vorsehung, wenn man einem Manne, dessen Werke der Stolz
und der Reichthum eines Landes sind, nicht in jeder Weise die Arbeit er
leichterte. Allein wer will hier vorauswissen und den Leuten klar machen
im Momente, was erst langer Reihen von Jahren bedarf, um eine glaub
würdige allgemeine Wahrheit zu werden? Meiner tiefsten Ueberzeugung
nach ist die Ausführung des Cartons von Cornelius eine ernste Angelegen
heit der Nation, und ich bin fest überzeugt, unterbleibt diese Ausführung,
und, was damit in Verbindung stehen würde, gehen diese Cartons langsam
zu Grunde, so wird eine spätere Zeit die Worte nicht stark genug zu finden
glauben, um ihr Bedauern darüber auszusprechen = allein wenn selbst
bei diesem eclatanten Falle Viele die Verpflichtung des Staates ableugnen,
Andere die Vortrefflichkeit der Arbeit selbst bezweifeln, die Meisten gleich
gültig sich wenig darum bekümmern = was hilft es da, eine Theorie auf
zustellen? 000
© In solchen Fällen bedarf es eines Fürsten, welcher befiehlt, weil er
ein Gefühl von dem Werthe des Mannes hat. Dies Gefühl aber muß in
seinem eigenen Herzen wachsen. Die Anerkennung eines großen Künstlers
ist bei seinen Lebzeiten fast immer Parteisache. Jeder beansprucht die
Freiheit, aur die eine oder die andere Seite zu treten, und es liegt in der
Natur der Dinge, daß auch die, in deren Händen die höchste Gewalt ist,
ihrem eigenen Geschmacke folgen. ©©©
© Es sind gewisse Irrthümer gäng und gebe von der Kunstbeschützung
durch große Fürsten. Die Zeiten der Medici und Ludwig des Vierzehnten
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