scharfsinnige Verwerthung gelernter Elemente denken, und es wäre bei
einer solchen Concurrenz der gewandteste, geschickteste, fleißigste an
nähernd zu erkennen; bei einer Kunstaufgabe jedoch ist dies anders per-
bloße Zwang, momentan ein Kunstwerk schaffen zu sollen, wird vielleicht
gerade den fähigsten unfähig machen. Das Bewußtsein, wie viel von dem
Gelingen dieser Arbeit abhängig sei, wird die Befangenheit vermehren.
Das Bild, welches das Geschenk eines erleuchteten Momentes sein sollte,
wird der trostlosen Stimmung abgepreßt, in die die Seele durch den an-
gethanen Zwang versetzt wurde. Schüler können nicht concumren.
Meister können es, gelernte, erprobte Männer können mit ihren Lei
stungen sich zu überbieten suchen, dies hat Sinn und Erfolg, wenn gro e
Männer und große Aufgaben da sind; Anfänger können stets nur in dem
geprüft werden, was sie gelernt haben. Man sage, derjenige, der den
besten Act gezeichnet hat, die beste Portraitzeichnung liefert soll eine
Belohnung erhalten; aber nicht, derjenige, der unter Verschluß die beste
Composition zu Stande bringt, von Staatswegen zum Künstler erklärt und
nach Italien geschickt werden. e .
n>\ Teder Gedanke an eine künftige Unterstützung muß den Schülern der
Akademie genommen werden. Dagegen erhalten sie Anweisung, wenn
sie wollen, das Zeichnen nach der Natur in jeder Richtung gründlich zu
lernen. Ornamentik, Anatomie, Perspective werden von den besten
Lehrern in der besten Weise gelehrt. Es bleibt den Lernenden überlassen,
sich dem zuzuwenden, was sie besonders anzieht, was für ihre künftige
Carriere am geeignetsten ist. Der Lithograph, der Kupferstecher, der
Holzschneider, der Decorationsmaler, der technische Künstler findet Ge
legenheit, sich in dieser Akademie auf eine Weise zu unterrichten, wie
nirgends sonst, der Maler erwirbt sich die solideste Grundlage. Kein
Schüler der das hier Gebotene gelernt hat, wird dadurch für die gewöhn
liche bürgerliche Laufbahn eines höheren Handwerkers unbrauchbar ge
macht, Niemand darf in Zukunft sagen, er habe auf dieser Schule Ideen
eingesogen, durch welche seine gesunde Urtheilskraft auf falsche Ge
danken verlockt und in dieser gefährlichen Bahn vorwärts getrieben sei,
statt auf das Natürliche und Wahre hingewiesen zu werden. Das Wahre
aber ist, daß zur Kunst Genie gehört, und daß es kein Kennzeichen eines
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