Lehre. Sie halfen früh an der Arbeit, sie machten eine handwerksmäßige
Laufbahn durch und lernten allmälig auf eigenen Füßen stehen, bis sie
sich ablösten und nach eigenem Gutdünken weiter studirten. ©©©
ß In der Bildhauerei pflegt es auch jetzt noch so gehalten zu werden.
Der Lehrling wird in ein Atelier aufgenommen. Er lernt die Werkzeuge
gebrauchen und hilft bei der Arbeit. In der Malerei ist dies leider anders.
Böten sich nicht so selten große Wände dar, die zu bemalen sind, so wurde
hier dieselbe Schülerschaft eintreten. Sie thut dies auch, sobald derartige
Aufträge den Meister nöthigen, sich nach Hülfe umzusehen. Allein das
Gros unserer Künstler besteht in Genre- und Landschaftsmalern, dazu die
Portraitmaler, alle drei können sich nicht helfen lassen. Sie können
höchstens das Unterweisen in ihrer Kunst als einen besonderen Nebenzweig
ihrer Beschäftigung ansehen und Schüler annehmen, deren Arbeiten
sie beurtheilen oder die ihnen bei der eigenen Arbeit zusehen. 0©0
0 Will der Staat seine Vorsorge so weit ausdehnen, daß der angehende
Künstler gute Meister finde, die ihn belehren, wie er mit Farben umzugehen
habe, und deren Art zu arbeiten ihm als anfängliches Muster diene, so setze
man die tüchtigsten Maler und Bildhauer mit der Akademie in Verbindung,
gebe ihnen eine ehrenvolle Stellung als Anerkennung ihrer Leistungen ( em ^
schöne Art, bedeutende Künstler vor denSorgen des Alters zu bewahren) und
lege ihnen dafür die Verpflichtung auf, den ehemaligen Schülern der Akademie
welche Maler und Bildhauer werden wollen, ihren besonderen guten
Rath zu ertheilen. In welcher Weise dies geschieht, bleibt doch immer den
Umständen überlassen. Es wird auf die beiderseitigen Persönlichkeiten ankommen.
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© Wenn heute von der Kunst gesprochen wird, glauben viele, es ließe
sich capituliren. Es gäbe doch auch eine Kunst, die ohne Begeisterung
und in gelernter Fertigkeit ausgeübt würde und, weil sie ihren Mann ernährt,
ihr gutes Recht hätte zu existiren. Man verstehe Begeisterung nicht
falsch. Es kann etwas sehr Kleines, ein Stückchen Landschaft, eine Blume,
ein kleines Genrestück mit Begeisterung, d. h. mit Liebe und Entzücken
am Gegenstand gemalt sein. Aber wo die fehlen, wo Spekulation auf die
Mode und den Geschmack des Publikums Bilder hervorbringen, da ist ein
Kunstwerk unmöglich. Nur das Werk kann entzücken und befriedigen, das
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