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MAK

Full text : Jahrgang 6 (1903) (Heft 3)

Lehre.  Sie  halfen  früh  an  der  Arbeit,  sie  machten  eine  handwerksmäßige
Laufbahn  durch  und  lernten  allmälig  auf  eigenen  Füßen  stehen,  bis  sie
sich  ablösten  und  nach  eigenem  Gutdünken  weiter  studirten.  ©©©
ß  In  der  Bildhauerei  pflegt  es  auch  jetzt  noch  so  gehalten  zu  werden.
Der  Lehrling  wird  in  ein  Atelier  aufgenommen.  Er  lernt  die  Werkzeuge
gebrauchen  und  hilft  bei  der  Arbeit.  In  der  Malerei  ist  dies  leider  anders.
Böten  sich  nicht  so  selten  große  Wände  dar,  die  zu  bemalen  sind,  so  wurde
hier  dieselbe  Schülerschaft  eintreten.  Sie  thut  dies  auch,  sobald  derartige
Aufträge  den  Meister  nöthigen,  sich  nach  Hülfe  umzusehen.  Allein  das
Gros  unserer  Künstler  besteht  in  Genre-  und  Landschaftsmalern,  dazu  die
Portraitmaler,  alle  drei  können  sich  nicht  helfen  lassen.  Sie  können
höchstens  das  Unterweisen  in  ihrer  Kunst  als  einen  besonderen  Nebenzweig ­
  ihrer  Beschäftigung  ansehen  und  Schüler  annehmen,  deren  Arbeiten
sie  beurtheilen  oder  die  ihnen  bei  der  eigenen  Arbeit  zusehen.  0©0
0  Will  der  Staat  seine  Vorsorge  so  weit  ausdehnen,  daß  der  angehende
Künstler  gute  Meister  finde,  die  ihn  belehren,  wie  er  mit  Farben  umzugehen
habe,  und  deren  Art  zu  arbeiten  ihm  als  anfängliches  Muster  diene,  so  setze
man  die  tüchtigsten  Maler  und  Bildhauer  mit  der  Akademie  in  Verbindung,
gebe  ihnen  eine  ehrenvolle  Stellung  als  Anerkennung  ihrer  Leistungen  ( em ^
schöne  Art,  bedeutende  Künstler  vor  denSorgen  des  Alters  zu  bewahren)  und
lege  ihnen  dafür  die  Verpflichtung  auf,  den  ehemaligen  Schülern  der  Akademie ­
  welche  Maler  und  Bildhauer  werden  wollen,  ihren  besonderen  guten
Rath  zu  ertheilen.  In  welcher  Weise  dies  geschieht,  bleibt  doch  immer  den
Umständen  überlassen.  Es  wird  auf  die  beiderseitigen  Persönlichkeiten  ankommen. ­
  =  =
©  Wenn  heute  von  der  Kunst  gesprochen  wird,  glauben  viele,  es  ließe
sich  capituliren.  Es  gäbe  doch  auch  eine  Kunst,  die  ohne  Begeisterung
und  in  gelernter  Fertigkeit  ausgeübt  würde  und,  weil  sie  ihren  Mann  ernährt, ­
  ihr  gutes  Recht  hätte  zu  existiren.  Man  verstehe  Begeisterung  nicht
falsch.  Es  kann  etwas  sehr  Kleines,  ein  Stückchen  Landschaft,  eine  Blume,
ein  kleines  Genrestück  mit  Begeisterung,  d.  h.  mit  Liebe  und  Entzücken
am  Gegenstand  gemalt  sein.  Aber  wo  die  fehlen,  wo  Spekulation  auf  die
Mode  und  den  Geschmack  des  Publikums  Bilder  hervorbringen,  da  ist  ein
Kunstwerk  unmöglich.  Nur  das  Werk  kann  entzücken  und  befriedigen,  das

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