Kunstgeschichte und der politischen Geschichte, mit lebendiger Erklärung
der in Museen und Sammlungen aufgeschichteten Kunstwerke, wird dem
Unheil entgegengearbeitet, das sich in unseren Tagen überall zeigt, wo die
Kunstverhältnisse eines Landes näher betrachtet werden. Ich erinnere an
die Rede, welche soeben der französische Staatsminister bei Gelegenheit der
Preisaustheilung in der Schule der schönen Künste zu Paris gehalten hat.
„Jeder isolirt sich bei seiner Arbeit,” heißt es darin, „sucht die praktische
Geschicklichkeit zu erwerben und vernachlässigt darüber den Gedanken.
Dies raubt den Kunstwerken unserer Zeit ihre harmonische Zusammenwirkung.
Ich fordere Sie auf, mehr allgemeine Studien zu betreiben und
sich nicht blos um das Zunächstliegende zu bekümmern.” Diese Aussprüche,
wie die ganze Rede ist eine sachgemäße Anerkennung der Lage der Dinge.
Warum geht der Minister Fould nicht einen Schritt weiter und erkennt,
daß die auf öffentliche Eitelkeitsbefriedigung hinauslaufende Einmischung
des Staates in das Schicksal junger Leute, die erst Künstler werden wollen
oder sollen, der Grund des Uebels sei? „Ich wünschte, sagt er, ,,daß ein
guter Baumeister die W r erke der Malerei und Sculptur, welche sein Gebäude
zieren sollen, wenn auch nicht selbst schaffen, so doch mit tiefer
Einsicht beurtheilen könne, daß Bildhauer und Maler in die Gesetze der
Architektur eingeweiht wären, um die Wirkung ihrer Werke an dem
Platze, für den sie bestimmt sind, beurtheilen zu können. Es ist in der
Kunst anders, als in der Industrie, wo die Theilung der Arbeit Wunder
thut. In der Kunst folgt die Vollendung des Ganzen nicht nothwendig aus
der Vollendung der einzelnen Theile; ein Kunstwerk ist lebendig, das Gefühl
dieses ihm innewohnenden Lebens erweckt die Begeisterung und
macht sich in geheimnißvoller Weise schöpferisch geltend.” So fährt er
fort, lauter goldene Regeln, aber dergleichen sollte man jungen Leuten
nicht in fast vorwurfsvollem Tone zu sagen haben, wenn deren Erziehung
vollendet, und, wie der Minister selbst eingesteht, in einer Weise vollendet
ist, daß solche gute Lehren ihnen als unerreichte fromme Wünsche mit
auf den Weg gegeben werden müssen, sondern die Erziehung in der vom
Staate geleiteten Anstalt sollte von Anfang an, abgesehen von der späteren
Specialität des Künstlers, eine allgemeine Bildung der Hand, des Auges
und des Geistes zu verleihen suchen. = = © © ©
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