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MAK

Full text : Jahrgang 6 (1903) (Heft 3)

Kunstgeschichte  und  der  politischen  Geschichte,  mit  lebendiger  Erklärung
der  in  Museen  und  Sammlungen  aufgeschichteten  Kunstwerke,  wird  dem
Unheil  entgegengearbeitet,  das  sich  in  unseren  Tagen  überall  zeigt,  wo  die
Kunstverhältnisse  eines  Landes  näher  betrachtet  werden.  Ich  erinnere  an
die  Rede,  welche  soeben  der  französische  Staatsminister  bei  Gelegenheit  der
Preisaustheilung  in  der  Schule  der  schönen  Künste  zu  Paris  gehalten  hat.
„Jeder  isolirt  sich  bei  seiner  Arbeit,”  heißt  es  darin,  „sucht  die  praktische
Geschicklichkeit  zu  erwerben  und  vernachlässigt  darüber  den  Gedanken.
Dies  raubt  den  Kunstwerken  unserer  Zeit  ihre  harmonische  Zusammenwirkung. ­
  Ich  fordere  Sie  auf,  mehr  allgemeine  Studien  zu  betreiben  und
sich  nicht  blos  um  das  Zunächstliegende  zu  bekümmern.”  Diese  Aussprüche,
wie  die  ganze  Rede  ist  eine  sachgemäße  Anerkennung  der  Lage  der  Dinge.
Warum  geht  der  Minister  Fould  nicht  einen  Schritt  weiter  und  erkennt,
daß  die  auf  öffentliche  Eitelkeitsbefriedigung  hinauslaufende  Einmischung
des  Staates  in  das  Schicksal  junger  Leute,  die  erst  Künstler  werden  wollen
oder  sollen,  der  Grund  des  Uebels  sei?  „Ich  wünschte,  sagt  er,  ,,daß  ein
guter  Baumeister  die  W r erke  der  Malerei  und  Sculptur,  welche  sein  Gebäude ­
  zieren  sollen,  wenn  auch  nicht  selbst  schaffen,  so  doch  mit  tiefer
Einsicht  beurtheilen  könne,  daß  Bildhauer  und  Maler  in  die  Gesetze  der
Architektur  eingeweiht  wären,  um  die  Wirkung  ihrer  Werke  an  dem
Platze,  für  den  sie  bestimmt  sind,  beurtheilen  zu  können.  Es  ist  in  der
Kunst  anders,  als  in  der  Industrie,  wo  die  Theilung  der  Arbeit  Wunder
thut.  In  der  Kunst  folgt  die  Vollendung  des  Ganzen  nicht  nothwendig  aus
der  Vollendung  der  einzelnen  Theile;  ein  Kunstwerk  ist  lebendig,  das  Gefühl ­
  dieses  ihm  innewohnenden  Lebens  erweckt  die  Begeisterung  und
macht  sich  in  geheimnißvoller  Weise  schöpferisch  geltend.”  So  fährt  er
fort,  lauter  goldene  Regeln,  aber  dergleichen  sollte  man  jungen  Leuten
nicht  in  fast  vorwurfsvollem  Tone  zu  sagen  haben,  wenn  deren  Erziehung
vollendet,  und,  wie  der  Minister  selbst  eingesteht,  in  einer  Weise  vollendet
ist,  daß  solche  gute  Lehren  ihnen  als  unerreichte  fromme  Wünsche  mit
auf  den  Weg  gegeben  werden  müssen,  sondern  die  Erziehung  in  der  vom
Staate  geleiteten  Anstalt  sollte  von  Anfang  an,  abgesehen  von  der  späteren
Specialität  des  Künstlers,  eine  allgemeine  Bildung  der  Hand,  des  Auges
und  des  Geistes  zu  verleihen  suchen.  =  =  ©  ©  ©

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