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in vollkommen nacktem Zustand stets vor Augen habe. Und so groß ist die 
siegende Macht des Guten, daß, wenn wir auch nur einen Schimmer des 
vollkommen Bösen an uns wahrgenommen haben, augenblicklich die Er 
innerung an das Gute in uns wachgerufen wird durch das Bild des 
Schönen, mit dem das Böse umkleidet ist.” ©©© 
© In jenen Zeichnungen Beardsleys, welche mehr grotesk als schön 
sind, in welchen die Linien anfangen mißgestalt zu werden, liegt die mora 
lische Berechtigung in der Flächenverteilung, in die sich jetzt alle Schön 
heit flüchtet. Man betrachte nur die Zeichnung „The Scarlet Pastorale”. Im 
Vordergründe dicht an den Rampenlichtern, aus dem Stück, dem er dem 
Rücken zudreht, heraustretend, spreizt sich ein aufgeblasener Harlequin. 
Hinter ihm sind Altarlichter angesteckt, die bei einem unsichtbaren Winde 
in der Einsamkeit herunterschmelzen. Dazwischen in der schwarzen Dun 
kelheit der Bühne ein kahlköpfiger Pierrot, der sich mit einem Rosenseil 
seinen riesigen zusammengeklappten Bauch einschnürt und sein Bein mit 
dem Bocksfuß vorzeigt, worauf Pierrette schreiend vor Entsetzen auf ihn 
mit dem Finger zeigt, während die fette Tänzerin sich dabei gleichgültig 
auf den Zehen dreht. Müssen wir noch weiter gehen, um zu zeigen, wie 
viel mehr, als Gautier meint, in dem alten Paradoxon der Mademoiselle 
de Maupin liegt, daß „Vollkommenheit der Linie Tugend ist?” Jene Linie, 
welche die Mißbildung der pferdefüßigen Sünde abrundet, die Linie selbst 
ist zugleich die Offenbarung und die Verdammung des Lasters, denn sie 
ist ein Teil jener künstlerischen Logik, welche eben Moralität ist. ©© 
© Beardsley ist der Satyriker einer Zeit ohne eigene Überzeugung und 
er kann nicht umhin, wie Baudelaire die Hölle zu malen, ohne auf ein als 
Gegenstück vorhandenes Paradies zu weisen. Er wendet dieselben Mittel 
an wie Baudelaire, eine Art der Übertreibung, von der es unkritisch wäre, 
sie als unaufrichtig zu bezeichnen. In jener furchtbaren Verkündigung des 
Bösen, die er „The Mysterious Rose-Garden” nannte, wispert der laternen 
tragende Engel mit gefiederten Sandalen unter den herabfallenden Rosen 
gewiß von mehr als nur von „süßen Sünden”. Die verschmitzt lächelnden 
Zwerge, die Affen, durch welche die Mystiker die irdischen Sünden aus 
drückten; diese riesigen von der Hefe der Vergnügungen angeschwollenen 
Leiber und diese bemäntelten und maskierten Gelüste, die in Gärten
	        
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