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huschen und so zweideutig lächelnd vor unendlichen Toilettetischen 
sitzen, sie alle sind Teile eines Symbolismus, der sich nichts entgehen 
läßt aus Mangel an bloßem Nachdrucke. Und die eigentümliche Eindrück - 
lichkeit dieser Satyre liegt darin, daß sie so sehr eine Satyre der eigenen 
Gelüste ist = ein Spott über befriedigte, ein Spott über bekämpfte Gelüste. 
Weil er die Schönheit liebt, fesselt ihn die Entwürdigung der Schönheit; 
weil er die Hoheit der Tugend so voll erfaßt, kann das Laster seiner hab 
haft werden. Und ganz im Gegensatz zu jenen „anständigen” Satyrikern 
unserer Zeit, deren Witz und Geist sich in der Darstellung eines Betrun 
kenen erschöpft, der an einem Laternenpfahl lehnt, oder einer Dame, die im 
Salon ein verkehrtes Kompliment macht, ist er ein Satyriker, der das 
Wesen der Dinge trifft. Es ist stets die seelische und nicht nur die kör 
perliche Unbefriedigtheit, die aus diesen gierigen Augen spricht, diesen 
Augen, die auf alle Lüste geblickt haben, aus diesen bittern Lippen, die 
den Schmelz all ihrer Süßigkeiten gekostet haben, aus diesen Händen, die 
spielerisch für nichts gewirkt, und aus diesen Füßen, die stets Nichtig 
keiten nachgejagt sind. Sie blicken so tieftraurig, weil sie die Schönheit ge 
sehen haben und weil sie von dem Wege der Schönheit abgewichen sind. 
© Und überhaupt ist es das Geheimnis Beardsleys, daß er mehr in die 
Linie selbst legt als in die geistige Umsetzung, die die Linie ausdrücken 
soll. Bei Beardsley lief alles auf eine Frage der Form hinaus: sein Inter 
esse an der Arbeit begann, wenn er sein Papier vor sich und die Feder in 
der Hand hatte. Kann man auf der einen Seite sagen, daß er nie von vorn 
herein wußte, was er tun wollte, so wußte er es auf der andern Seite nur 
zu gut. Er war innerhalb gewisser Grenzen bereit, fast alles zu tun, was 
man ihm vorschlug; geradeso wie er, sich selbst überlassen, sich damit zu 
frieden gab, der Laune des Augenblickes zu folgen. Einer Sache war er 
stets sicher, nämlich der Kraft, genau das zu tun, was er sich vornahm, 
mochte es nun die Salome, Belinda, Ali Baba, Rejane, Morte d’Arthur, 
Rheingold oder die Liaisons dangereuses, oder mochte es der Entwurf 
für eine Klassikerausgabe oder für das Titelblatt eines Alten-Bücher- 
Katalogs sein. Es mochte sein, daß die Zeichnung, die dabei herauskam, 
vielleicht keine Beziehung zum Titel des Themas zu haben schien und oft 
auch wirklich keine hatte. Die Beziehung war die von Linie zu Linie 
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