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MAK

Full text : Jahrgang 6 (1903) (Heft 9)

aber  man  sieht  sie  nicht  ganz;  doch  muß  man  an  den  Grund  denken,  an
ihr  Aussehen,  an  die  Öffnung  (Bogenstellung?),  an  die  Wand,  an  das  Dach;
deswegen  muß  man  um  sie  rings  herum  gehen  können;  doch  andererseits
könnte  irgend  ein  Elender  ihr  mit  einer  Stange  eins  versetzen.  Mir  scheint,
sie  wäre  gut  im  Hofe  des  Palastes,  wo  es  Messer  Francesco  der  Herold
sagte,  und  wird  dem  Autor  ein  großer  Trost  sein,  weil  es  ein  Ort  wäre,
würdig  solcher  Statue.”  ©0©
©  Giovanni  Carnuole:  „Ich  war  geneigt  sie  hinzusetzen,  wo  der  Löwe
ist,  hatte  aber  nicht  gedacht,  daß  der  Marmor  zart  ist  und  von  Regen  und
Kälte  verdorben  würde:  deswegen  urteile  ich,  daß  sie  in  der  Loggia  gut
stünde,  wo  Giuliano  da  San  Gallo  gesagt  hat.”  ©©©
©  Guasparre  di  Simone:  „Ich  hatte  gemeint,  sie  auf  die  Piazza  di  San
Giovanni  zu  setzen;  aber  mir  scheint  die  Loggia  ein  passenderer  Ort,  da
sie  empfindlich  ist.”  ©0©
©  Pietro  di  Cosimo,  Maler:  „Ich  bestätige  den  Ausspruch  des  Giuliano
da  San  Gallo  und  überdies,  daß  jener  zustimme,  der  die  Figur  gemacht  hat,
weil  er  besser  weiß,  wie  sie  zu  stehen  hat.”  ©0©
©  Diesem  fügt  der  protokollführende  Schreiber  italienisch  bei:  „Die
übrigen  oben  Genannten  und  Geladenen  werd  en  mit  ihren  Aussprüchen  der
größeren  Kürze  wegen  nicht  aufgeschrieben.  Aber  ihre  Rede  war,  daß  sie
sich  auf  die  Aussage  von  jenen  oben  bezögen,  und  der  eine  auf  den  einen
und  der  andere  auf  den  anderen  der  obigen  Aussprüche,  ohne  Abweichung.”
©  So  endete,  ohne  rechte  Entscheidung,  die  denkwürdige  Beratung,  die
schon  durch  die  erlauchten  Namen  der  Teilnehmer  uns  ehrfürchtige
Schauer  abringt.  Und  trotz  der  Verdunkelung,  die  der  Sinn  der  meisten
Aussagen  durch  das  Ungeschick  des  Protokollführers  erfahren,  glaubt  man
allerlei  Charakteristisches  darin  noch  herauszufühlen.  So  frappiert  einen
der  trockene  Ton  im  Gutachten  Leonardo  da  Vincis.  Man  kann  sich  als
möglich  denken,  daß  ihm,  dem  subtilsten  Künstler,  den  die  Erde  je  trug,
der  effektvolle  Akt  seines  jung  aufstrebenden  Nebenbuhlers  nicht  gefallen
hat,  zum  mindesten  weist  er  der  Statue  keinen  sehr  „ehrenvollen”  Platz,
den  rückwärts  an  der  Wand  der  Loggia  an,  wo  sie  sicher  nicht  sehr  zur
Geltung  gekommen  wäre.  Vasari  schreibt  diese  etwas  unfreundliche  Behandlung ­
  der  Angelegenheit  von  Seiten  Leonardos  dem  Ärger  zu,  den
            
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