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MAK

Full text : Jahrgang 6 (1903) (Heft 9)

den  Block  ihm  gegeben,  der  ohne  Anstückelung  daraus  mit  solcher  Ausnützung ­
  des  Materiales  seine  Figur  herauszog,  daß  auf  dem  Scheitel  des
Kopfes  und  unten  an  der  Basis  noch  die  alte  Rinde  des  Marmors  sichtbar
blieb.  Die  Dokumente  erzählen  in  ihrem  herrlichen  Küchenlatein  von  den
Verhandlungen  der  Wollenzunft  mit  Michelangelo  uns  folgendes:  @@
©  „MDI,  die  XVI  augusti.”  =  „Die  ehrenfesten  etc.  etc.  Konsuln  der
Wollenzunft,  im  Verein  mit  den  Herren  Baukommissären  in  genannter
Bauhütte  versammelt,  wahrnehmend  Nutz  und  Ehre  bemeldeter  Opera,
wählten  zum  Bildhauer  derselben  den  würdigen  Meister:  Michel  Angelo,
Sohn  des  Lodovico  Buonarroti,  Bürger  von  Florenz,  zur  Herstellung,  Ausführung ­
  und  gänzlichen  Vollendung  eines  gewissen  Mannes,  beheißen  Gigant, ­
  welcher  roh  behauen,  neun  Ellen  hoch  in  Marmor,  in  genannter
Werkhütte  vorhanden  ist,  einstens  roh  behauen  durch  Meister  Augustinus
grande  aus  Florenz,  und  übel  behauen,  =  für  die  Zeit  und  den  Termin  der
zwei  nächstfolgenden  Jahre,  die  beginnen  am  ersten  Tag  des  kommenden
September,  und  zwar  mit  einem  Lohn  und  Gehalt  von  sechs  Goldgulden
für  den  Monat,  in  üblicher  Münze;  und  was  ihm  nötig  ist  zur  Errichtung
des  besprochenen  Gerüstes,  wird  die  Bauhütte  gehalten,  ihm  zu  leihen  und
beizustellen,  sowohl  die  Leute  besagter  Bauhütte  als  Balkenwerk  und  alles,
was  er  sonst  bedürfte,  und  sobald  jene  Arbeit  und  jener  Marmormann
fertig  ist,  werden  die  Konsuln  und  die  Operai,  die  dann  sein  werden,
beurteilen,  ob  er  größeren  Preis  verdient;  es  wird  das  ihrem  Gewissen
überlassen.”  ©©©
©  (Randbemerkung:)  „Es  begann  genannter  Michelangelo  zu  bearbeiten
und  auszuhauen  bemeldeten  Giganten  am  13.  Tage  des  September  1501,
am  Montage,  obwohl  er  vorher  schon  an  einem  anderen  Tage  desselben
mit  einem  oder  zwei  Meißelhieben  einen  Knoten  entfernt,  den  jener  auf
der  Brust  hatte:  am  besagten  Tage  jedoch  begann  er  wacker  und  fest  zu
arbeiten,  am  besagten  dreizehnten  Tag  und  Monat.”  ©©©
©  Und  in  der  Tat,  Michelangelo,  der  in  seiner  Jugend  von  schwächlicher ­
  Konstitution  war,  so  daß  ihn  oft  schon  ein  paar  Meißelhiebe  ermüdeten, ­
  und  der  sich  innerlich  manchesmal  wie  gelähmt  fühlte,  scheint
diesmal  „fest  und  wacker”  gearbeitet  zu  haben;  man  sagt,  er  habe  sich
oft  des  Nachts  in  Kleidern  ausgestreckt,  um  frühmorgens  gleich  zur  Arbeit

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