MAK
iyj ( SACRUM. 
Für V. S. gez. v. 
Alois Häniseh. 
bleibenden Wandschmuck verwertet werden — wenn ihre 
künstlerische Qualität so stark ist, dass sie solche Ehre 
verdienen. 
Denn nicht des lehrhaften Zweckes wegen wünschen 
wir Bilder für die Wand der Schule. Ein intensiver Unter 
richt, der die Kinder während der Lection in lebendiger 
geistiger Thätigkeit erhält, müsste für die intellectuelle 
Bildung ausreichen. In den Pausen, vor und nach der Unter 
richtszeit sollte das Auge der Schüler auf Bildern ruhen, ja 
ausruhen, die in ihrer künstlerischen Form Genuss bieten 
können, auch wenn sie nichts lehren, was für irgendein 
Examen von Wichtigkeit ist. 
Im Auslande erfreut man sich bereits solcher Bilder. 
Ich erwähne nur die Fitzroy-pictures von Hey wood Sumner 
und seinenFreunden undHenriRiviere's Images pour Fecole. 
Aber es wäre das Schlimmste, wenn man bei uns solche 
Bilder einfach nachahmen würde. Bilder für die deutsche 
Schule müssen deutsch sein. An die herrlichen — allerdings 
wenig farbigen — Thoma'schen Lithographien sei hier er 
innert. Sie sind nicht für den Zweck des Schulschmuckes 
bestimmt, aber einige der bei Breitkopf und Härtel er 
schienenen Facsimile-Reproductionen dieses echt deutschen 
Künstlers sind bis jetzt das Geeignetste, was wir von unserer 
Kunst den Kindern bieten können. Ich bin der Meinung, 
dass unsere Künstler, die nach einigem Zaudern nun ihren 
ganzenEifer dem modernen Placat zugewandt haben, auch 
hier einGebiet finden, auf dem sie erfolgreich wirken können. 
Aber jeder lasse sich das Bibelwort gesagt sein: Der Ort, 
auf dem du stehst, ist heiliger Boden! Es ist der heilige 
Frühling unseres Volkes, in dem die guten Keime still und 
heimlich wachsen sollen. Wem es an innerer Reife fehlt, 
wer sich noch abhängig fühlt von fremder Kunst, wer nicht 
Herz und Sinn für kindliche Art hat, dem rufen wir zu: 
hands off! Es gilt hier, Freude und Genuss für die frischen 
Augen und jungen Herzen zu spenden und einen Samen 
zu streuen, der einmal in rechter Liebe zu guter Kunst — 
in einer Liebe fürs Leben — aufgehen soll. Es gilt für die 
Kunst zu werben, Künstler! Tua res agitur. Unsere 
jungen Künstler insbesondere, die etwa meinen könnten, 
dass sie hier in froher Nonchalance ihrer Laune die Zügel 
schiessen lassen dürften, dass sie hier Gelegenheit hätten 
zu allerhand temperamentvollen Experimenten, mögen 
sich zu Gemüthe führen, was ein Meister wie Max Lieber 
mann schreibt: „Ich bin durchaus der Meinung, dass für 
die Kinder das Beste gerade gut genug ist, besonders in der 
Kunst, und ich wäre glücklich, wenn ich etwas für den 
Wandschmuck derSchulzimmerGeeignetes machen könnte. 
Vielleicht gelingt mir mal etwas, was einfach und gut genug 
dazu wäre!“ — Und es ist ein treffliches Wort von Charles 
Bigot, das ich an den Schluss meiner Ausführungen stellen 
möchte: Aucun artiste n'a trop de talent pour servir de 
maitre ä l'enfance. 
Dr. M. SPANIER-HAMBURG.
	        
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