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WOHNUNGSKUNST
HEFT 3
getaner Arbeit verschmäht er es, in der Kneipe seine
Erholung zu suchen und in rauchigen, verqualmten
Lokalen Bier zu trinken. Nein, er ladet seine Freunde
in sein Heim, plaudert mit ihnen über alle Dinge,
die sein Herz bewegen und im Kreise gleichgesinnter
Menschen klären sich in der Unterhaltung die Ideen
und werden die Ansichten gereifter und ruhiger.
Leander Vaillat hat in den „Annalen“ dieses Bedürfnis
der Franzosen nach seinem Geschmack entsprechenden
Möbeln trefflich geschildert. „Die Ausstattung
im bürgerlichen Leben“, sagt er, „ist keine
Theaterausstattung. Sie ist ein freundliches, harmonisches
Bild, auf dem sich gesunde, tätig freie Menschen
bewegen zwischen Gegenständen, die den Bedürfnissen
des Tages genügen.“
„. . . Gewisse Färbungen verschönen den natürlichen
Ton, ohne die Äderung und die äußere
Struktur des Holzes zu verdecken: Das alte Fustikholz
der Engländer in Gelb gebeizt, das Brasilrot
in Blaßrot, der Nußbaum in fahlen Nuancen, das
Architekt Professor Otto Prutscher: Ziervase.
Architekt Professor Otto Prutscher: Wandbrunnen.
Campècheholz in Violett, Grau und Blau, Saflor in
Blaß-, Kirsch- und Hochrot, derWegedorn in grünlichem
Braun, Indigo in intensivem Blau, Orcanette
in Rot, Rocou und Sandelholz in Rot, Färbereiche in
Gelb und Sumach in Schwarz. Ein tüchtiger Kunsttischler
kann so ausländische Hölzer zur Freude der
Augen nachahmen, ohne seine Kundschaft über die
Qualität zu täuschen: Er bildet das helle Mahagoniholz
aus Sykomore nach, das dunkle Mahagoni aus
Pappelholz, das Guajakholz aus Ulmen, das Ebenholz
mit Birnholz und Polisander aus Nußbaum.“
Vaillat faßt die Aufgaben der Kunsttischlerei wie
folgt zusammen: „Die Stärke und die Elastizität des
Holzes sind bedeutend, verglichen mit einem Faden.
Verglichen mit anderen Gegenständen läßt es sich
leicht schneiden und zerbrechen. Während die Länge
eines Stückes Holz sich unter dem Einfluß der
Temperatur kaum verändert, zieht es sich anderseits
erheblich zusammen und wirft sich unter dem
Einfluß der Trockenheit, um, wenn es wieder feucht
wird, in einer Weise anzuschwellen, daß man dem
kaum begegnen kann. Der Tischler muß die Wider-