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MAK

Full text : Jahrgang 1920 (Heft Nr. 3)

SEITE  56

WOHNUNGSKUNST

HEFT  3

getaner  Arbeit  verschmäht  er  es,  in  der  Kneipe  seine
Erholung  zu  suchen  und  in  rauchigen,  verqualmten
Lokalen  Bier  zu  trinken.  Nein,  er  ladet  seine  Freunde
in  sein  Heim,  plaudert  mit  ihnen  über  alle  Dinge,
die  sein  Herz  bewegen  und  im  Kreise  gleichgesinnter
Menschen  klären  sich  in  der  Unterhaltung  die  Ideen
und  werden  die  Ansichten  gereifter  und  ruhiger.
Leander  Vaillat  hat  in  den  „Annalen“  dieses  Bedürfnis ­
  der  Franzosen  nach  seinem  Geschmack  entsprechenden ­
  Möbeln  trefflich  geschildert.  „Die  Ausstattung ­
  im  bürgerlichen  Leben“,  sagt  er,  „ist  keine
Theaterausstattung.  Sie  ist  ein  freundliches,  harmonisches ­
  Bild,  auf  dem  sich  gesunde,  tätig  freie  Menschen ­
  bewegen  zwischen  Gegenständen,  die  den  Bedürfnissen ­
  des  Tages  genügen.“
„.  .  .  Gewisse  Färbungen  verschönen  den  natürlichen ­
  Ton,  ohne  die  Äderung  und  die  äußere
Struktur  des  Holzes  zu  verdecken:  Das  alte  Fustikholz
  der  Engländer  in  Gelb  gebeizt,  das  Brasilrot
in  Blaßrot,  der  Nußbaum  in  fahlen  Nuancen,  das

Architekt  Professor  Otto  Prutscher:  Ziervase.

Architekt  Professor  Otto  Prutscher:  Wandbrunnen.

Campècheholz  in  Violett,  Grau  und  Blau,  Saflor  in
Blaß-,  Kirsch-  und  Hochrot,  derWegedorn  in  grünlichem ­
  Braun,  Indigo  in  intensivem  Blau,  Orcanette
in  Rot,  Rocou  und  Sandelholz  in  Rot,  Färbereiche  in
Gelb  und  Sumach  in  Schwarz.  Ein  tüchtiger  Kunsttischler ­
  kann  so  ausländische  Hölzer  zur  Freude  der
Augen  nachahmen,  ohne  seine  Kundschaft  über  die
Qualität  zu  täuschen:  Er  bildet  das  helle  Mahagoniholz ­
  aus  Sykomore  nach,  das  dunkle  Mahagoni  aus
Pappelholz,  das  Guajakholz  aus  Ulmen,  das  Ebenholz ­
  mit  Birnholz  und  Polisander  aus  Nußbaum.“
Vaillat  faßt  die  Aufgaben  der  Kunsttischlerei  wie
folgt  zusammen:  „Die  Stärke  und  die  Elastizität  des
Holzes  sind  bedeutend,  verglichen  mit  einem  Faden.
Verglichen  mit  anderen  Gegenständen  läßt  es  sich
leicht  schneiden  und  zerbrechen.  Während  die  Länge
eines  Stückes  Holz  sich  unter  dem  Einfluß  der
Temperatur  kaum  verändert,  zieht  es  sich  anderseits ­
  erheblich  zusammen  und  wirft  sich  unter  dem
Einfluß  der  Trockenheit,  um,  wenn  es  wieder  feucht
wird,  in  einer  Weise  anzuschwellen,  daß  man  dem
kaum  begegnen  kann.  Der  Tischler  muß  die  Wider-
            
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