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MAK

Full text : Jahrgang 1920 (Heft Nr. 6)

WOHNUNGSKUNST

SEITE  116

HEFT  6

mäßige  Formen.  Dies
bedeutet  aber  eine  Pa^
piermasse  geringer
Qualität  oder,  mit  am
deren  Worten,  höhere
Ausgaben  für  die  Sor^
tierung  der  Abfälle
und  größere  Hersteh
lungskosten.  Wenn
abgestorbenes  oder
aus  irgendeiner  Ursa^
che  niedergebroche'
nes  Holz  gleichzeitig
mit  Extraktion  von
Terpentin  und  Harz
mittels  Lösungsmit'
teln  verarbeitet  wird,
so  wird  es  viele  Ast'
knoten  und  an  der
Oberfläche  verkohltes
Holzenthalten,  falls  es
nicht  sorgfältig  sor'
tiert  wird.  Hobelspäne
sind  verhältnismäßig
frei  von  diesen  Mäm
geln,  infolgedessen
diese  auch  mit  bestem
Erfolg  verwertet  wer'
den.  Es  gibt  jedoch
nurwenige  Anlagen,
welche  derartige  Ab'
fälle  auf  Papiermasse
verarbeiten.
Da  die  Abfälle
Zellulose  enthalten,
so  kann  man  aus
diesen  auch  Äthylah
kohol  hersteilen.  Hy'
drolyse  der  Zellulose
mit  sehr  verdünnter
Säure  erzeugt  näim
lieh  Glukose  und  Fer'
mentation  der  Glu'
kose,  und  Destillation
des  erhaltenen  Ge'
misches  gibt  Äthylah
kohol.  In  den  Fabri'
ken,  welche  ein  derar'
tiges  Verfahren  anwenden,  werden  unsortierte  Abfälle
von  Pinus  taeda  aus  Sägewerken  verarbeitet.  Die  ge'
samten  Abfälle  werden  zerkleinert,  dann  in  großen
Digerierapparaten  (Auslaugeapparaten)  mit  sehr  ver'
dünnter  Schwefelsäure  unter  hohem  Druck  und  hoher
Temperatur  kurze  Zeit  behandelt.  Die  extrahierte
Flüssigkeit  wird  dann  gereinigt,  hierauf  in  ent'
sprechenden  Behältern  einem  Fermentationsprozeß
unterworfen,  worauf  die  Rückstände  zwecks  Ent'
fernung  eines  Teiles  der  Flüssigkeit  zusammenge'
preßt  werden,  um  nun  nach  den  Kesseln  gebracht
zu  werden.  Nach  der  Fermentation  wird  die  Flüssig'
keit  destilliert,  um  95  piozentigen  Äthylalkohol  zu
erhalten.  Man  gewinnt  auf  i  Tonne  Rohmaterial
ungefähr  90  Liter  Äthylalkohol.
Wenn  Holz  auf  eine  Temperatur  von  über  93°C
erhitzt  wird,  beginnt  die  Zersetzung.  Zunächst  ent'
weicht  bei  der  Destillation  Wasser,  dann  gehen  über
verdünnte  Säuren,  im  wesentlichen  Essigsäure.  Bei
etwa  i35°C  destilliert  über  eine  beträchtliche  Menge

Holzgeist  oder  Me'
thylalkohol,  ferner
leichte  Teeröle  und
Gase;  bei  höherer
Temperatur  gehen
über  schwere  Teeröle,
und  schließlich  bleibt
nur  Holzkohle  in  der
Retorte  zurück.
Bei  gleichmäßi'
gern  und  vorsichtigem
Erhitzen  auf  185°  C
erhält  man  einwand'
freie  Holzkohle  und
bei  150 0  C  braune
Holzkohle,  obwohl
die  bei  Retorten  be'
obachteten  Tempera'
turen  in  der  Regel
höher  sind  infolge  der
mangelhaftenW  ärme'
Verteilung  und  'Über'
tragung.
Die  Gewinnung
von  essigsauremKalk,
Holzspiritus  und
Holzkohle  ist  als  Im
dustriezweig  für  die
V  erwertung  vonHolz'
abfällen  von  geringer
Bedeutung.  Einige
Anlagen  dieser  Art
beziehen  das  zur  Ver'
arbeitung  erforder'
liehe  Rohmaterial  in
Form  von  Schalbret'
tern  aus  benachbarten
Sägewerken.  Gut  ge'
trocknetes  Hartholz
liefert  zirka  30  %
Holzkohle,  während
die  Ergebnisse  bei
Holzspiritus  u.  essig'
saurem  Kalk  wesent'
lieh  schwanken.  Das
Holz  von  Kiefern  gibt
ein  bei  weitem  gerim
geres  Resultat,  und
zwar  nur  gegen  20%  Holzkohle.  Holzkohle  findet
guten  Absatz  als  Heizmaterial  in  Haushaltungen  und
in  bestimmten  Fabriken,  falls  die  Anlagen  günstig
gelegen  sind.
Nadelhölzer  im  allgemeinen  und  Terpentinkiefer,
norwegische  Kiefer  und  Douglastanne  im  besonderen
enthalten  Harzöle.  Das  Harzöl  kann  vollständig  aus'
geschieden  werden,  wenn  man  das  Holz  zu  Spänen
zerkleinert  und  mit  einem  Lösungsmittel  auszieht.
Fraktionierte  Destillation  (d.  h.  mehrmalige  bei  ver'
schiedenen  Temperaturen)  des  Extraktes,  in  der  Regel
in  Gegenwart  von  Wasserdampf,  scheidet  dasselbe
in  Terpentin,  Kienöl  und  Harz.  Dieses  Verfahren
findet  jedoch  fast  keine  praktische  Verwendung  mehr
und  gehört  bereits  der  Vergangenheit  an.
Es  gibt  einige  Fabriken,  welche  seit  einigen  Jahren
das  sogenannte  Badverfahren  anwenden.  Bei  diesem
wird  das  Holz  auf  Karren  geladen  und  in  eine  große
Retorte  befördert,  in  welcher  es  mittels  einer  kochend'
flüssigen  Masse  behandelt  wird.  Die  letztere  extrahiert

Architekt  Prof.  E.  J.  Margold:  Wohnzimmerschrank  in  brauner  Eiche.
            
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