BAU' UND WOHNUNGSKUNST
HEFT 11
SEITE 207
LEIBNITZ.
BAHNHOFERWEITERUNG. Um den Ansprüchen des
Grenzverkehres zu genügen, ist eine Ausgestaltung des Bahnhofes
in Leibnitz notwendig geworden. Es sind infolgedessen
zahlreiche Neuherstellungen und Umbauten geplant.
SALZBURG.
ERRICHTUNG EINES GROSZKRAFTWERKES. Mitte Mai
haben durch Ingenieure des Landesamtes für Elektrizitäts-Wirtschaft
und Wasserkraftverwertung in Salzburg Begehungen
im Gebiete von Dorf'Fusch und Ferleiten stattge'
funden, welche die örtliche Grundlage für das von dem genannten
Amte in Aussicht genommene Großkraftwerk im
Fuschertale ergeben sollten. Die Wasser der Fuscherache
sollen unterhalb der LukaS'Säge in Ferleiten gefaßt und
mittels eines Stollens in den Steilwänden des linken Talhanges
bis oberhalb des Hinterwimmhofes geleitet werden,
von wo aus eine Druckrohrleitung zwecks Ausnützung des
dort über 300 m hohen Gefälles zu Tal führen soll. Von dem
an der Ferleitstraße gelegenen Krafthaus soll der elektrische
Strom mittels Fernleitung durch das Fuschertal bis nach
Bruck geleitet werden, wo der Anschluß an die im Pinzgau
im Bau befindliche Starkstromleitung erfolgen soll.
BRÜNN.
DIE STAGNATION IM BAUGEWERBE. In Brünn wird
gegenwärtig ein einziges Haus gebaut. Es ist dies der Neii'
bau an der Kreuzung der Salzamtsgasse mit der Rudolfsgasse,
wo drei Häuser niedergerissen werden, um einem
einzigen neuen Platz zu machen. : Durch die Straßenregulierung
wird die Baufläche von 556-8 m- auf bloß 211-2 m 5
reduziert. Der im Aufträge einer Prager Bank durchgeführte
Bau ist mit 1,800.000 K veranschlagt. Es ist aber schon heute
sicher, daß die Kosten sich um mindest 5Ö' 1 /,,'erhöhen werden.
Man kann sagen, daß die Bausumme gieichsoviel
Hundertkronennoten betragen wird, als zum lückenlosen
Belegen der alten Baufläche notwendig wäre, d. i. drei Millionen
Kronen. Dabei sind die Baumaterialien in keiner Beziehung
mit dem Friedensmaterial zu vergleichen. Beim Abtragen
der alten Häuser stieß man auf 3’/, rh hohe Spuren
alter Befestigungsmauern sowie auf alte Kanäle. Einige
darin aufgefundene Feuerstätten wurden dem Museum überwiesen.
KUN5T u.KUN$TC6V/oRß<L
SÜDSEEKUNSTGEWERBE. Es gibt noch immer einen
europäischen Dünkel, der feierlich protestiert, wenn man
von „Südseekunst“ oder „Südseekunstgewerbe“ spricht.
Sollen wir bei „Wilden“ und „Kannibalen“ in die Schule
gehen? Ein Besuch der beiden neueröffneten Säle des Münchner
ethnographischen Museums wird uns zweifellos eine bejahende
Antwort darauf geben. Ein Blick in dort aufgestellte
Vitrinen wird uns kaum mehr im Zweifel darüber lassen,
daß wir bei einem unbefangenen Studium darin zur Schau
aufgestellter Gegenstände des Südseekunstgewerbes einem
Phänomen der Kunst gegenüberstehen. Ob wir Haussäulen,
Tanzstäbe, Gemüseschalen, Boot- und Körperschmuck, Waffen
oder Musikinstrumente betrachten, stets stoßen wir auf
Kraft, Fülle, Unfehlbarkeit und Konzentration des künst-;
krischen Vermögens, - die den Neid des späten Europäerf
tums dieser Tage erregen müßte, eben wenn wir nicht
• Europäer. wären .0.. Das Staunen wächst, wenn wir das
wirklich primitive .Handwerkszeug bedenken, das auch für
die härtesten Rohstoffe, wie Schildpatt, Muscheln, Stein und
Bein genügen mußte und des Eisens ganz entriet. Ganz be-1
sonders fallen in die Augen: Knüpfarbeiten und Holzschnitzereien
der Maori (Neuseeland); Halsbänder aus Potwalzähnen
von Samoa und Fidschi; Tridakna-Muschelscl;eiben
und filigranartige. Schildpattarbeit als Brustschmuck
vom Bismarckarchipel; höchst merkwürdige Plastiken aus
,K/eide (Ahnenfiguren) von Neumecklenburg; edel geschnitzte
Kopfstützen, die vorzüglich der Schonung der Frisur dienen.
Kunstgewerbliche Meisterlejstungen, wie die vielfarbigen Umflechtungen
der Speefe. von den Salomo-Inseln; technische
Glanzstücke, wie die ohne Drehscheibe geformten mächtigen
Gesichtsurnen vom Töpferflusse Sepik der früheren deutschen
Kolonie Neu-Guinea.
Al escribir & los anunciantes menciönese el „BAU- UND WOHNUNGSKUNST“.