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BAU' UND WOHNUNGSKUNST
HEFT 12
Geschäftsladen in Wien VII. Entwurf und Ausführung: „Wiener Raumkunst“, Fritz Kruh.
Verherrlichung einer grenzenlosen despotischen Ge'
walt, die alle Mittel für dieses Fest des Menschen^
geistes rücksichtslos beschaffte. Alles wurde für sie
vom Gelde und der Kraft anderer getan. Aber es
war eine Tat. Diese Vereinigung von Absolutismus
und geistiger Blüte entfaltete sich später in noch
einigen andern Ländern zu ähnlicher Höchstbetätigung
des Genies so lange, bis sich diejenigen, die Kraft
und Gut dafür opfern mußten, vollständig erschöpft,
naturgemäß erhoben. Die alleinherrschende Gewalt
wurde immer geringer, das Verhältnis von Herr und
Knecht, Arbeitgeber und Arbeitnehmer wurde immer
mehr das einer GEGENSEITIGEN Abhängigkeit.
Durch die gemeinsame Schulbildung näherten sich
Oberklasse und Unterklasse in der Lebensführung.
Die letztere in ihrer stets wachsenden Überzahl er^
forderte zu ihrer Befriedigung die rasche Technik
gegenüber der langsamen, individuellen Ausgestaltung
der Lebensformen. Waren nun frühere Zeiten durch
die sogenannte bildende Kunst, andere durch Phi'
losophie, Dichtung oder Musik gekennzeichnet, so
standen die letzten fünfzig Jahre im Zeichen der
Technik. Ein Segen für die Menschheit war es nicht.
Denn den letzten Krieg in seinem vollen Umfange
hat nur sie ermöglicht. Er war eine Orgie mit den
Teilnehmern Technik und Organisation, die als not'
wendige Konsequenz der Raserei schließlich die für
sie selbst wichtigsten Lebenskräfte geistiger und Stoff'
lieber Natur verschlangen. Verarmt steht nun die
Welt da, und so ist für sie der feierliche Augenblick
gekommen, ein neues Leben zu beginnen. Für den
aber, der mit seiner Arbeit, seinem ganzen Ideen'
kreise in der versunkenen Zeit wurzelt, dessen Glanz'
leistungen ihr angehören, mag es schwer sein, da ein'
zugreifen. Lange, viel zu spät nach dem sogenannten
Zusammenbruch, der für viele eine Auferstehung war,
versuchten die Architekten in den rasenden Karren
einzuspringen mit einigen schüchternen Versuchen,
dem nunmehr verarmten Leben in seinem Rahmen
die Kultur zu retten. „Einfacher Hausrat“ war das
Schlagwort. Aber Hohnlächeln fanden sie bei der
Fabrikation, der die Sünde wider den heiligen Geist
zur Lebensgewohnheit geworden ist, und berechtigte
Stumpfheit bei der Masse der in Betracht kommenden
Interessenten, die naturgemäß wenig Verständnis für
einen guten Schrank haben, wenn er leer bleibt.
Wir sind nun alle recht sehr in unseren Anforderungen
an das Leben herabgestimmt. Fast dem Tiere gleich
gehen wir der Nahrung nach, gleich dem Urmenschen
fürchten wir den Winter. Es ist schwer, die Augen,
die vom Staube schmerzen, zur Sonne zu erheben.
Und doch werden wir es tun müssen, wenn wir uns
nicht selbst verlieren wollen. Körperlich werden wir
uns noch vielfach bescheiden, geistig dürfen wir es
nicht. Es waren die besten Werke menschlichen
Geistes, die von Hungernden der Welt geschenkt
wurden. All der Leibesnot und dem Opferzweck
könnten die Architekten zu Hilfe kommen. Und was