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BAU' UND WOHNUNGSKUNST
HEFT 16
Wir entnehmen dem interessanten Buche folgende Stellen
aus seiner Vorrede: War das 18. Jahrhundert vorwiegend
literarisch interessiert und sehen wir seine größten Kulturschöpfungen
auf den Gebieten, die sich zur Vergegenständlichung
ihrer Ideen des Wortes bedienen — Dichtung und
Philosophie —, so hat sich der Schwerpunkt seitdem nach
der Sphäre der bildenden Kunst verschoben.
Es waltet eine Zeit des Überganges. Das Eingestelltsein in
Organisationsformen und äußerliche Gebundenheiten, die
Abhängigkeit von unpersönlichen Faktoren in ihrer Einflußnahme
auf unsere Lebensgestaltung und Wirkungsmöglichkeit
hat zu einer fast mittelalterlichen Gliederung der Gesellschaft
geführt. Die Stellung zu den Inhalten ist ähnlich wie
im vorchristlich - augustinischen Jahrhundert, das äußere
Durchsetzen, das Mittel zum Zweck sein sollte, ist in den
meisten Fällen Selbstzweck geworden. Hat die Renaissance
einen Individualtypus entwickelt, der im Subjektivismus des
i8. Jahrhunderts kultiviert und übersteigert, seine höchsten
Triumphe feiert, so schafft die neue Zeit einen Gemeinschaftstypus,
der dem des Mittelalters in der Form verwandt ist.
Eine Ausprägung des Gemeinschaftsgedankens findet sich
zunächst mehr als in der Kunst im Kunstgewerbe. Hier zeigt
besonders die deutsche Architektur in Messels Warenhausbau,
Peter Behrens Industriebau, van de Veldes vornehm aristokratischen
und Schulze-Naumburgs einfach bürgerlichen
Hausbauten die Schaffung eines gewissen Meistertyps, aber
als Fortsetzung dieser Idee auf demokratischer Basis auch
in Reihen- und Typenhäusern (oft in Anlehnung an alte Bautraditionen)
die Individualität und Originalität zugunsten
der einheitlichen Zusammenwirkung zurücktreten läßt. In
Wiener, Dresdener, Münchener und Saalecker Werkstätten
werden von Künstlern die Formen geschaffen, die unserer
auf Zweckmäßigkeit und Nützlichkeit gestellten Zeit entsprechen
und die nur in Material und Solidität der Ausführung
— beides Dinge, die sich an ökonomischen Maßstäben
regulieren — gewisse Extravaganzen und Verfeinerungen
zulassen. Das „Typenmöbel" in der Form des Korbstuhles,
des Klubsessels stellt schon eine Verbindung unserer
praktischen Ästhetik mit der heutigen Wirtschaftsorganisation
dar; in anderen Formen wird es auch den weniger zahlungsfähigen
Schichten immer mehr zugänglich gemacht . ..
Mit dem Typisieren der Erscheinungswelt hat auch die
Herrschaft des Individuums aufgehört; das Besondere wird
im Allgemeinen erblickt. Liegt hierin nicht der Wunsch, den
inneren Gehalt des Lebens zu bannen? Das kann eine Entwicklung
zum Symbolismus bedeuten, für die noch anderes
spricht: das Gliedern und Rhythmisieren der Bildfläche läßt
in der Gefolgschaft dieser Kunst auch eine neue Plastik erblicken,
die den Menschen zum gestalteten Ausdruck von
Empfindungen macht. Künstler wie Lehmbruck, Barlach
suchen ein überindividuelles Pathos abzuleiten aus der
Stellung, Verbiegung, Verzerrung, mit der der Körper auf
Erschütterungen reagiert. Nur ein großer Schöpfer könnte
diesen symbolistisch-zeichnerischen Architekturstil mit dem
naturalistisch-malerischen Oberflächenstil zu einer Einheit
verschmelzen, die die letzte Ausprägung bedeuten würde.
Statt dessen spalten sich die Künstler in Richtungen und
Parteien, stellen Programme auf und theoretisieren, werden
philosophisch und sind so zwar gut deutsch, aber schaffen
keine Kunst. So verworren und suchend wie unser Leben ist
auch sie. Und wenn wir als Künstler unserer Zeit Verwandtes
in ihr fühlen, so dürfen wir doch nicht verkennen, daß dies
kein Höhepunkt ist, daß der laute und leidenschaftliche
Schrei nach Stil nur den empfindlichen und empfundenen
Mangel zeigt, daß unser Stil zunächst nur das offene Bekenntnis
sein kann, daß wir keinen haben.
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SIGM. OPPENHEIM
ETABLISSEMENT FÜR WOHNUNGSEINRICHTUNG
WIEN
II., PRÄTERSTRÄSSE 30
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