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BAU- UND WOHNUNGSKUNST
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Architekt Reg.-Rat Professor Josef Hoffmann: Wohnzimmer des Fräulein Steckelberg, Wien.
Es zeigt sich, daß Kunstformen, einmal entstanden,
mit suggestiver Macht immer wieder zur Nach
ahmung zwingen, daß die Nachahmung also ein
hemmendes Moment der Entwicklung ist, die des
halb lediglich in kurzen Schritten und stets nur
Kleines zu Kleinem fügend, langsam und mühselig
zum Fortschritt drängt.
Und nun ist es das Eigentümliche der modernen
Baukunst, daß sie im Gegensatz zur historischen
Richtung vom Objektiven zum Subjektiven wieder
zurückkehrt: In merkwürdiger Übereinstimmung mit
dem seit einem Jahrhundert vorbereiteten Umschwung
unserer gesamten Kultur. Die moderne Baukunst
schöpft bewußter aus der inneren, ursprünglichen
Quelle, als die ihr vorausgegangene historische Rich
tung jemals getan hat. Gleich der gesamten übrigen
Kultur lehnt sie es ab, objektiv festgelegte Werte
immer wieder zu beleben, sondern sie trachtet viel
mehr, neue Werte zu schaffen. Sie hat eine auf Er
findung gerichtete Tendenz. Daher ihre Vorliebe für
ursprüngliche, im Wandel der Geschichte längst
überholte Formen, ihre Ablehnung aller beglaubigten
Grundsätze, ihre Gegnerschaft gegen alles Herge
brachte und Abgeleitete.
Wenn wir nun die geschichtliche Stellung dieser
sozusagen „voraussetzungslosen“ modernen Bau
kunstauffassung fixieren wollen, wenn wir festzu
stellen versuchen, wie denn diese Auffassung sich
unter dem Gesichtswinkel der historischen Betrach
tung ausnimmt, so werden wir uns mit Nutzen der
Worte erinnern, die kein Geringerer als der Histo
riker Karl Lamprecht im neunten Bande seiner
monumentalen „Deutschen Geschichte“ gesprochen
hat, in dem er den großen Versuch unternahm, das
gesamte Geistesleben unserer Zeit einer vergleichen
den Betrachtung zu unterziehen. „Es ist die Reiz
samkeit,“ sagt Lamprecht, „die ins Schöpferische
umgesetzte Fähigkeit der Wahrnehmung neuer, bis
dahin unbewußt gebliebener, innerer Reizergebnisse,
die die Ursache des modernen Umschwunges be
gründet. . . Das ist das eigentliche Charakteristische,
und hieraus erklärt es sich, daß die moderne Kunst
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