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Volltext: Monatszeitschrift XIV (1911 / Heft 1)

fester und beständiger seien und von vollen und ungeschickten Leuten desto 
leichter in Fäusten behalten werden konnten". (Die Biederrneierzeit ist zu 
dieser Art der Ausschmückung des Glases zurückgekehrt und hat an die 
Stelle der Nuppen Rauten und Spitzsteindelfelder gesetzt. Vergleiche die 
Abbildungen 1 und 3.) Neben der Glaserzeugung lief im späten Mittelalter die 
Erzeugung von Glasscheiben. Vorratsgefäße kannte die damalige Glasmacher- 
kunst nicht; man trank aus Gläsern, schenkte aber aus Kannen von Edel- 
metall, Zinn, Ton oder Holz. Das Streben, das Trinkgefäß, also den Glas- 
becher, zugleich zum Vorratsgefäß zu 
machen, führte in der ersten Hälfte des 
XVI. Jahrhunderts zur Herstellung jener 
großen, zylindrischen Gläser, welche schließ- 
lich in den bemalten Adler- oder Reichs- 
humpen kolossaleDimensionen angenommen 
haben: „unfletige grosse willkomme, narren- 
gleser, die man kaumet aufheben kann". 
Ihre Herstellung erfolgte in der Heimat 
unserer Überfanggläser, in den zur Herr- 
schaft Böhmisch-Kamnitz gehörigen Kinsky- 
schen Glashütten zu Kreibitz. Dort erwar- 
ben sich die Glaserer das Meisterrecht mit 
der Anfertigung eines großen Humpens, den 
sie mit dem „Adler des heiligen römischen 
Reiches sammt seinen Gliedern" bemalen 
mußten. Für diese Arbeit wurden ihnen an- 
derthalb Tage eingeräumt (Zunftordnung aus 
dem Jahre 166g). Das gleiche Meisterstück 
tiguriert in der den Glasmalern in Bürgstein, 
Blottendorf und Falkenau 1683 verliehenen 
Zunftordnung des Grafen Ferdinand Rosnata 
von Kokorzowa. Im XVII. Jahrhundert 
waren somit die Reichsadlerhumpen ein wichtiges Produkt der nordböh- 
mischen Glashütten und wurden - wenn auch wahrscheinlich in Varian- 
ten in Schlesien und im Fichtelgebirge - doch hauptsächlich in Kreibitz, 
Falkenau und Blottendorf hergestellt. (Die Vorliebe für die Glasbemalung 
hat sich auf die Gläser des XIX. Jahrhunderts übertragen. Vergleiche 
Tafel II und die Abbildungen 13 bis 16.) In der Zeit von 1540 bis 1560 erzeugte 
Christoph Schürer in Neudeck-Platten kobaltblaue Gläser, die mit Email- 
farben bemalt wurden. Von der zweiten Hälfte des XVII. Jahrhunderts an- 
gefangen trat das vor allen um die Glasindustrie in Nordböhmen hoch- 
verdiente Geschlecht der Grafen und Fürsten Kinsky in den Vordergrund. 
Graf Wenzel Norbert Oktavian erteilte 166g die Kreibitzer Glasmacher-, 
x694 die Steinschönauer Glasschneiderprivilegien, beide als Erbherr auf 
Böhmisch-Kamnitz, und befreite die Innungen von der Robot und anderen 
 
Abb. 5. Glasdose, rot und violett überfangen
	        

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