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Volltext: Monatszeitschrift XVIII (1915 / Heft 11)

Kaendler hat dabei, um für das Reliefbildnis Platz zu gewinnen, wohl 
etwas gewaltsam am untern Teile des Obelisken ein Stück herausgeschnitten. 
Ein wenig ungeschickt trägt der äußerst kräftig und lebensvoll gebildete 
Adler den polnischen Orden vorn weißen Adler um die Schultern. Der Sockel 
ist vielleicht-ein wenig zu reich ausgestattet; auch ist nicht recht erfindlich, 
was dort, wo doch eigentlich das Land Sachsen verkörpert sein sollte, Löwe 
und Schlangen bedeuten sollen. 
Von diesen Schwächen, die wohl zum großen Teil auf Kosten des 
Bestellers zu setzen sind, abgesehen, zeigt sich in dem Werk überall die 
sichere Hand des langbewährten Porzellanplastikers. Anmutig und doch 
zugleich schwungvoll in der Bewegung ist die Gestalt der das flammende 
Herz dem König entgegenbringenden Liebe, vortrefflich in Auffassung und 
Durchführung der auf die Wandung des Altars die Erklärung des ganzen 
Denkmals (Sacrum Augusto) schreibende kleine Genius, denn dieser und nicht 
die Liebe, wie Kaendler angibt, ist es, der schreibt. Als besonders gelungen 
möchte ich weiter die Gestalt des Adlers und das Reliefbildnis hervorheben. 
Sicher wird auch der nunmehr als ein Werk Kaendlers erkannte Hen- 
nickesche Tafelaufsatz das Seine mit dazu beitragen, die Meinung von der 
hohen Bedeutung und Vielseitigkeit dieses großen Künstlers noch weiter 
zu befestigen, den Ruhm der Meißner Porzellanmanufaktur aufs neue zu 
bekräftigen. 
AUS DEM WIENER KUNSTLEBEN Sie VON 
HARTWIG FISCHEL-WIENSIP 
ER WETTBEWERB FÜR KRIEGERDENKMALE. Der vom k. k. 
Unterrichtsministeriurn ausgeschriebene große Wettbewerb für Kriegerdenkmale 
erscheint in erster Linie als Ideenwettbewerb. Bestimmte Ausführungsmöglichkeiten liegen 
noch nicht vor - sollen aber durch die Entwürfe geweckt werden. Das weitgespannte 
Programm bot Malern, Bildhauern und Architekten Raum. Örtliche Bedingungen schufen 
keine Fessel - sie wurden in mehreren Fällen von den Bewerbern selbst gewählt. Aus- 
führungskosten sind nicht vorgeschrieben worden - die Entwürfe bewegen sich darum 
zwischen weiten Grenzen. Schon der Umstand, daß zirka 230 Künstler über 265 Werke 
einsandten, zeigt das Streben, den Denkmalgedanken von vielen verschiedenen Seiten aus 
zu behandeln. 
DaB die Malerei darin am unschlüssigsten war, ist durch den Stillstand der Monumen- 
talmalerei erklärt. Am zahlreichsten sind naturgemäß die plastischen Entwürfe, denen die 
Freiheit, von der Einzeliigur bis zum Monumentalwerk Ausdrucksformen wählen zu können, 
besonders günstig entgegenkam. Aber auch die Baukunst ist nicht zurückgeblieben. Sie hat 
den Denkmalbegriif am weitesten ausgedehnt - zur größten Bedeutung gehoben. 
Als großgedachter Entwurf auf dem Gebiete monumentaler Malerei tritt Professor 
Jettmars Fries hervor, der für die Ausgestaltung der Augustinerkirche geplant ist. Sonst 
haben sich die Maler zumeist an die Baukunst angeschlossen. Auch die Bildhauer wählten 
diesen Weg, wo sie über die Figur hinaus zu einem bedeutenden Aufbau strebten. 
Die Weihestätte für gefallene Helden, welche Professor Josef Müllner als Ringmal 
löste, zeigt die Verbindung liguraler Plastik mit einem uralten Baugedanken in glücklicher
	        

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