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Volltext: Monatszeitschrift XX (1917 / Heft 1 und 2)

handwerk", 1916, Seite 32) ein hübsches Analogon. Schüler, der große 
Augsburger Zeugdrucker, beschäftigte in seiner seit 175g bestehenden 
Fabrik bereits eine eigene Musterzeichnerin, deren Entwürfe sicher geheim- 
gehalten wurden und welche IOOO Dukaten Jahresgehalt bekam; die Kon- 
kurrenten Schülers werden wohl zu denselben Maßnahmen haben greifen 
müssen. 
Natürlich war dieses Geheimhalten des Modells auch nur von 
beschränkter Dauer und es handelte sich immer nur um die Priorität einer 
originellen seltenen Form für gewisse Zeit; aber das bedeutete im XVIILJahr- 
hundert, dem der Mode, infolge des Vorsprungs immerhin einen gewissen 
pekuniären Erfolg, weil die Nachfrage nach aparten Stücken mit einem Male 
auftauchte und rasch die Ware konsumierte. Wir sehen aus den Modezeit- 
schriften, wie feinhörig die wohlhabende Gesellschaft damals auf dem 
Gebiete der Mode war und wie rasch ein beliebter Gegenstand bekannt wurde. 
Damit ging natürlich Hand in Hand das Bestreben der Konkurrenz, 
denselben möglichst zu kopieren; das sehen wir daraus, daß ein und dasselbe 
Modell in Wien, Paris und Genf auftauchte. Auch literarisch ist das 
beglaubigt. Im „JOUrnal des Luxus und der Moden", 1795, steht, daß es ein 
„bekannter Kunstgriff der Fabriken, sonderlich der Schweizer war, den 
Namen eines großen Meisters auf die Uhr zu stechen, zum Beispiel Romilly, 
Berguet, Berthoud a Paris, welches die neuesten berühmtesten Uhrmacher 
in Paris sind". 
Die Neuzeit mit ihrer so vielseitig entwickelten Fälscherindustrie 
ging natürlich noch weiter. Manches gute alte Emailgehäuse trägt heute ein 
Werk, das nicht immer sein i 
eigenes war und fast immer ist 
der auf diesem Werk ein- 
gestochene Name der eines 
berühmten und angesehenen 
Uhrmachers. Der Fälscher hat 
hier leichte Hand, weil ein- 
zelne Werke über die Ge- 
schichte der Uhren, so das 
bekannte von Britten, Listen 
der alten bedeutenderen Uhr- 
machernamen, in erster Linie 
der französischen, englischen 
und schweizerischen, enthalten. 
Im allgemeinen kann man, 
in erster Linie bei den wert- 
vollen Luxusuhren, zu denen 
ja die Forrnuhren gehören, be- 
sonders in den größeren Zen- 
 
Abb. 36. Goldene Formuhr als Flaschenkürbis; Abb. 37. Goldene 
_ _ _ _ emaillierte Formuhr als Schild (Sammlung der Frau Dr. Guslav 
tren dieser Kunstindustrie wie Blocb, Wien)
	        

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