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Volltext: Monatsschrift für Kunst und Gewerbe IX (1874 / 110)

Besitzt es jetzt, um nur Eins zu nennen, circa 600 f-iguralische Car- 
tons, welche die tüchtigsten Künstler für die Anstalt gezeichnet, deren 
Leitung von der richtigen Ueberzeugung beseelt ist, dass Sparsamkeit oder 
gar Knickerei an der Kunst und ihren Hilfsmitteln die thörichtste Ver- 
schwendung, und dass die Oeknnomie überall eher als hier am Platze 
ist. Techniker lassen sich bilden, ein Stock tüchtiger Arbeiter siedelt sich 
an und wirkt wie ein gut geschultes, lange verbundenes Orchester zu- 
sammen; aber Meister, die mustergiltige, nothwendig in der Ausführung 
gelingende Skizzen und Cartons zeichnen, sind seltene Species, die man 
als die durchgeistende, alles belebende Seele schätzt und verehrt. 
Die stete und lebhafte Verbindung, der innige Wechselverkehr mit 
Fachmännern und Künstlern ist auch das wirksamste Präservativ, dass 
eine solche Anstalt, die so viel des Handwerksmässigen mitnehmen und 
ausführen muss, nicht in fabriksmässige Arbeit verfällt. 
Beenden wir die Revue mit Namhaftmachung einiger Glasmalereien 
romanischen Styls: Zwei Doppelfenster der St. Antoniuskirche in Padua 
mit den vier grossen Propheten; ebendorthin eine herrliche Rosette von 
Essenwein componirü, eine Rosette nach Wengen mit einem als Altar- 
bild geltenden Glasgemälde der Immaculata, Grisaillen nach Wechselburg 
in Sachsen, nach Slavonien und wieder viele andere. 
Mit grösster Freude als ein schätzbares Bildungsmittel ihrer Leute 
übernahm die Tiroler Glasmalerei die Restaurirung der berühmten Samm- 
lung Glasmalereien des Darmstädter Museums, ebenso die für das Stift 
Heiligenkreuz, wohin auch verschiedene Dessinfenster nach alten Mustern 
neu ausgeführt werden. 
Wenn auch nicht in gleichem Grade sich ausbreitend nahm der 
Absatz der Kathedralgläser doch auch in diesem Jahre erfreulich zu, indem 
nunmehr die meisten Glasmaler Deutschlands daher beziehen und schöne, 
Verbindungen angeknüpft sind, welche einen wachsenden Export dieser 
Fabricate versprechen. Die allgemeinste Anwendung der Kathedralgläser 
für monumentale Zwecke scheint zwar nur mehr eine Frage der Zeit zu 
sein, es bleibt aber immerhin Aufgabe der Architekten, die Lösung dieser 
Frage zu beschleunigen, und es ist Pflicht wie Ehrensache aller, die darin 
Einfluss haben, den Fortgang des Betriebes dieser Glashütte durch wach- 
sende Aufträge zu unterstützen; denn es wäre traurig, zur Gründung- 
eines solchen Etablissements nur zu rathen und fast zu drängen, um sie 
dann entwicklungslos nur als Vorwerk für die eine eigene Glasmalere 
vegetiren zu lassen. Was lebensfähig, muss und soll wachsen. 
Das ist die erfreuliche Skizze von dem Stande und dem Wirken 
der Tiroler Glasmalerei, wie sie heute sich zeigt zur Ehre des Landes, 
zur Ehre der Monarchie. Ihre Männer haben bewundernswerthe Opfer 
gebracht, mit der Ungunst der Verhältnisse gekämpft und gearbeitet; 
helfen wir ihnen ihre Kräfte weiter entfalten.
	        

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