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Volltext: Alte und Moderne Kunst X (1965 / Heft 80)

Rätsel dieses Bauwerkes zu verstehen 
Ein ähnlicher Austausch hat auch 
'ger und Altdorfer über viele Jahre 
verbunden. 
r Wiederum der Bau der „Schönen 
; er hat auch Hans Leinberger nach 
burg geführt. Die Ausstattung dieses 
armten Stadt plötzlich zugewachsenen 
en Schatzes War höchst opulent ge- 
us Nürnberg wurden ein Palmesel und 
uferstehung bezogen, und eben auch 
rger wurde herangezogen. 1519 Wurden 
vleister Hansen Bildschnitzer zu Lands- 
r Sanct Sebastians Bildnis in unserer 
Frauen der Schönen Maria neuen 
:n 21 H." und 1521 für einen Leonhard 
ezah1t4. Erhalten hat sich eine Mutter- 
(mit im 18. Jahrhundert erneuertem 
die ehemals in der blinoritenkirche 
len hat und nun einen Seitenaltar in 
ssian ziert. Da müssen sich Altdorfer 
ßinberger begegnet sein, und ihre 
che sind offenbar nicht im allgemeinen 
wen. 1518 ist Altdorfers Zeichnung der 
len Waria" (Berlin) datiert. Man wird 
auch Gedanken Leinbergers erkennen 
1, vor allem aber scheint sie Vorbild 
gewesen zu sein. „Die größere XVeich- 
id eine gewisse anmutige Gefälligkeit", 
zinbergers um 1520-22 entstandene 
gottes in St. Kassian auszeichnen, ist, 
wie Georg l.ill5 mit Recht betont hat, von 
Altdorfer angenommen. liinc Zeichnung uie 
das Berliner Blatt von 1518 wird diese Nuance 
vermittelt haben. 
Es war nicht das erste Mal, daß Altdorfer und 
Leinberger einander getrorlien haben, ja viel- 
leicht waren die erwähnten Aufträge Ergebe 
nisse einer langjährigen Verbundenheit Alt? 
dorfers mit Leinberger. Zuerst ist, wenn wir 
uns nicht täuschen, Altdorfer der empfangende 
Teil gewesen. Wir denken an dessen Kreuzi- 
gung in Kassel aus den Jahren um 1511f12. 
Gewiß ist es richtig, wenn angesichts dieses 
großartigen Bildes auf Mantegna und Pacher 
hingewiesen wird, zumal der Tiroler Meister 
ist Altdorfer kurz zuvor ein wegweisendes 
Erlebnis gewesen, aber es war auch die Zeit, 
da Leinberger am Moosburger Altar gearbeitet 
hat. Zuvor hatte Altdorfer den Gewändern 
eine sehr einfache Form gegeben, dicht 
gereihte Faltenparallelen und glatte Flachen 
wechselten, nun aber überspielen sehr selb- 
ständige Faltengebilde die (iewandtlachen und 
lockern deren Konsistenz auf. Es ist nicht zu 
bezweifeln, dali Leinberger hier Altdorfer 
angeregt hat, und er hat ihm auch die Vor- 
stellung von Größe und Dramatik geschenkt, 
die dem Kasseler Bild völlig unvorbereitet 
eignet. Und weiterhin ist viel Leinbergerßches 
Gut in die St. Florianer Tafeln eingegangen, 
das ist oft betont worden", jedoch wurden 
recht verschlungen hin und bcr gegangen. Aut 
Leinbergers kleines Kalvarienlaerg Relief hinv 
weisend hat Baldalä gemeint, die stark vor- 
gebeugten Ktiqwcr der Schar-her in der St. Flo- 
rianer Kreuzigung seien da vorbcreitet7. Dem 
konnte zugestimmt solange der 
St. Flurianer Altar spat (1518) datiert wurde; 
nachdem man sich aber nunmehr überzeugt 
hat-S, daß er vielmehr bald nach 1511 aus- 
geführt sein muli, ist diese Belichtung wohl 
umgekehrt zu sehen. 
werden, 
Für die Figuren und auch die Ärchitekttir- 
motixe in den Reliefs der ehemaligen liliigel 
des Äloosburger Altars ist Nlantegna Vorbild 
und Mittler gewesen, die Fichten mit den 
herabhangenden Ästen, die (iruppc des von 
einem Wehrgang herabschatientlen Kaisers, 
auch einige (iewantlmotive sind dagegen von 
Altdorfer angeregt. Soweit wie Baldali darf 
man aber gewili nicht gehen", der meinte, 
Lcinberger habe an Zeichnungen sXltdorft-rs 
seinen Reliefstil entwickelt. l.ill hat demgegen- 
über auf Wiener Reliefs als Vorstufen und auf 
Lucas Cranach hingewiescn"'. Und danach hat 
Leinbergers Reliefktinst auf Altdorfer zurück- 
gewirkt, nicht immer ist zu n, wer der 
gebende, wer der nehmende 'l'eil tguwesen ist. 
Es scheint uns der Wahrheit naher zu kommen, 
von einem freundschaftlichen Austausch zu 
sprechen, als um die Priorität des einen oder 
anderen zu feilschen. Wir stimmen (lcorg l.ill 
zu, Altdorfer und Leinberger 
häuliger [iersiinlicher Berührung gearbeitet 
haben, „denn mit Altdorfer geht lrinbergers 
Entwicklung lebenslang atiffullig parallel", 
 
müssen in 
fraglich scheint uns aber, wenn er meint, die? 
selbe geistigekünstlerische (inmdaufliissiing 
habe sie verbundenll. Viclcrlei in ihrer 
Herkunft bedingte Gemeinsamkeiten vere 
knüpften sie, und auch in ihrem Streben und 
Mühen waren sie verwandt, aber so richtig 
das ist, wenn sie sich ähnlich waren wie 
Angehörige einer Sippe, so waren sie auch 
verschieden wie Angehiärige verschiedener 
Zweige einer Sippe. Sie sprachen dieselbe aus 
alten bayerischeiästerreichischen Traditionen 
erwachsene Sprache, aber der eine äußerte sich 
in ihr pathetischedramatisch, der andere still, 
intim, ja introvertiert. 
1513 hat Leinberger die Heilige Anna Selbdritt 
von Gnadenthal geschnitzt, zwei Jahre spiiter, 
1515, ist Altdorfers lleilige Familie mit dem 
jugendlichen Johannes (Wien) datiert. Viele 
Züge sind den beiden Darstellungen gemeinv 
sam, selbst die Beseelung der Maricnltillwfe ist 
verwandt gestimmt, aber ganz anders als 
Altdorfer hat Leinberger dekorative Pracht- 
entfaltung erstrebt. Die (iewiinder sind zu 
tlutendedrängenden ver- 
wandelt, kühn schwingen die Konturen und 
Falten, wie krauselntler Xiogcnschatuxi spielen 
sie über dem Boden. Altdorfer hingegen hat 
alle Formen so schlicht und gedampft wie nur 
möglich gegrirlen, weich, in zartesten Über- 
gängen gleiten sie ineinander. Leinbergcrs 
Alterswerk, die throncnde Madonna in Polling 
aus den Jahren 1526 4527, entstand etwa 
gleichzeitig mit Altdorfers Maria in der (ilorie 
(Alte Pinakothek). Der Zauber des (ieheimnis- 
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Formbeweg u ngen
	        

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