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Volltext: Alte und Moderne Kunst XV (1970 / Heft 113)

enden. doch um das Risiko der 
pferischen Erneuerung wissen- 
und daher stark variierenden 
dschrift. Rotterdam vermeidet 
zinelösungen. Er vermeidet aber 
l Effekte, die zu sehr ins Elegante 
damit Unverbindliche, Unreflek- 
are abgleiten würden. Fast jedes 
zr Blätter (Preis 2500 S) zeigt 
daher um neue formale Akzente 
Spannungsverhältnisse bemüht. 
zi fällt die Uberlegtheit des zeich- 
chen Vorganges auf, dem genaues 
Jachten und Abwägen zugrunde 
n. 
[e seiner Graphiken verweisen s 
allem in ihren stark ornamental 
ägten Partien 7 auf Egon Schiele 
den Jugendstil, der freilich in 
erdams frühen, strukturell be- 
an Olbildern stärkere Spuren hin- 
lß. Schwieriger ist demgegenüber 
thematische Fixierung der quali- 
durchwegs befriedigenden Blätter 
ihrer Anklänge an lnsektenhaftes 
Landschaftliches. Rotterdams 
"inungen erweisen sich somit 
t nur unter dem Aspekt des per- 
ch geprägten Duktus bemerkens- 
profiliert, sondern auch hin- 
lich ihrer autonomen, zwischen 
inständlich und ungegenständlich 
ziierbaren graphischen Konstella- 
rh und Spannungen (Abb. 8). 
zrie in der Passage - 
er Haller, Ludwig Merwart 
e erste Einzelausstellung zeigte 
l938 geborene Wiener Peter Hal- 
n der Galerie der Ersten öster- 
iischen Spar-Casse in der Passage 
I I, Hoher Markt 4-Wildpret- 
.t. Im Mittelpunkt der Exposition 
den die neuen, größeren quadra- 
en Abstraktionen, die als kon- 
entes Resultat einer im Natur- 
lLIfTl wurzelnden Auffassung mit 
lrucksmöglichkeiten bekannt- 
tten. die den Gegenstand zu- 
ten autonomen Gestaltens außer 
lassen. An die Stelle des Ab- 
iierens im Sinne einer Reduktion 
das Wesentliche tritt in diesen 
mfrohen, heiteren Bildern ein 
g freies Gestalten, welches Maß- 
nen und Maßhalten aus dem 
eß des Bildens selbst und seinen 
Veränderungen unterworfenen 
lBH gewinnt. Der gesehene Ge- 
tand als Naturvorbild wird hier 
sagen durch den erfundenen er- 
. was vom Künstler in der Regel 
großes Maß an Intuition erfordert. 
ch auch an den Betrachter hin- 
Iich des Erkennens bildnerischer 
igkeiten und deren Uberprüfbar- 
höhere Anforderungen stellt. 
r Hallers (Euvre zeigt uns das - 
t nur chronologisch ablesbare - 
aneinander gleichberechtigter 
Iichkeiten des Abstrahierens 
ie rhythmisch vital gezeichneten 
erösterreichischen Landschaften) 
autonom abstrakten Gestaltens 
len bereits erwähnten größeren 
raktionen. In den letztgenannten 
zrn konfrontiert Haller mit einem 
inders klaren Standpunkt, der - 
ag zu den Werken führender 
er des historischen Informel - 
ußt gesteuerte strukturelle Zu- 
lkeiten in Biidgestaltung und 
position miteinbezieht. In der 
losen Verbindung subtiler male- 
er und graphischer Wertigkeiten 
sich das Feingefühl des Künst- 
für undramatische Spannungs- 
e, die nicht lnhalte assoziieren, 
lern emotional bestimmte Ge- 
e vermitteln sollen. Die sensible 
nciertheit dieser farbenfrohen. 
IFGFI und der Phantasie des Be- 
iters viel Spielraum gewährenden 
er fixiert dabei ebenso ihren 
t wie das kompositorische Kön- 
des Malers (Abb. 9). 
Anschluß an diese Schau gab 
bekannte Wiener Druckgraphiker 
Maler Ludwig Merwart Einblick 
in sein jüngstes Schaffen. Die far- 
bigen Eisenradierungen des Künstlers, 
die in den letzten Jahren eine immer 
stärkere Formverfestigung im Sinne 
einer radikalen Reduktion auf ein 
typisches, multivalent verwendetes 
Vokabular geometrisch-abstrakter 
Tendenz erfuhren, stellen innerhalb 
der österreichischen Gegenwarts- 
graphik ein in gleicher Weise 
qualitätvolles wie für die jüngsten 
internationalen Tendenzen des Kon- 
struktivismus markantes Beispiel dar. 
Der 1913 geborene Maler, der zuletzt 
auf zahlreiche Auslandsausstellungen 
verweisen konnte, verwendet in sei- 
nen - in der Regel als Unikat hand- 
abgezogenen - Eisenradierungen die 
verschieden strukturell geätzten 
Stahlplatten im Sinne von Mutationen. 
Die dadurch gewährleistete Kombina- 
torik, die bei jedem Druckvorgang 
durch die Wahl von Druckabfolge, 
Stellung und Einfärbung der Platten 
endgültig fixiert wird, birgt jene 
schöpferischen Impulse in sich, die 
formale Erstarrung verhindern und 
Spontaneität, improvisatorischen 
Spielraum und LebendigkeitderArbei- 
ten ausmachen. Merwarts mit großer 
Präzision durchkomponierte Bilder 
und Eisenradievungen im Signal- 
Look zeigen, wie sehr Kunst durch 
Konzentration und vernünftige Be- 
schränkung (sie wird nur von Un- 
wissenden als Unvermögen gedeutet) 
im Sinne einer echten Profilierung 
hinzuzugewinnen vermag (Abb. 17, 
s. S. 51). 
Galerie Wittmann - 
Otmar Schramek 
Bei Wittmann in Hietzing stellte sich 
der in der Nähe von Traismauer in 
Niederösterreich lebende Maler Otmar 
Schramek mit subtilen, der Bildwelt 
Hundertwassers in manchem ver- 
wandten Arbeiten in Ei-Ol-Temoera 
vor (Entstehungsdaten 1968-1970): 
Bilder, die eine reiche Farbskala mit 
feinsten Nuancierungen zum Klingen 
bringen und in ihren kaskadenartig 
angeordneten Strukturen. Farbsprit- 
zern und geschickt ausgenützten 
Zufälligkeiten den Eindruck des orga- 
nisch Gewachsenen erwecken. In den 
aquarellistischen Effekten, dem trans- 
parenten Übereinander farbiger Ver- 
läufe und graphischer Akkorde er- 
geben Schrameks Bilder einen Kosmos 
des Frohen und Heiteren, eine un- 
problematische Kleinwelt poetischer 
Grundhaltung. 
Peter Baum 
Berichte 
Im ALTEN SCHLOSS von BREGENZ 
waren vorn 14. Juli bis 15. August 
Metallplastiken von STEPHAN PRAL 
zu sehen. Pral verwendet neben 
alten Maschinenteilen, meist handelt 
es sich um Zahnräder, Wellen oder 
Hebel, auch ausgestanzte Embleme. 
Abgüsse verschiedener figuraler 
Elemente u.  welche er in seine 
Plastiken einbaut, überarbeitet und 
zu einer Einheit verbindet. Die 
Verschweißungen, absichtlich 
verkrätzt und zum Teil unbearbeitet 
belassen. geben dem einzelnen 
Obiekt etwas Krankhaftes, weisen 
auf den unaufhaltsamen Verfall 
alles irdischen und stellen damit 
nicht nur technisch die Verbindung 
zwischen den menschlich geprägten 
Symbolen und dem Montagematerial 
her, sondern zeigen auch deren 
gemeinsame Zukunft auf. Pral 
spricht in seinem Beiwort zur 
Einladung dieser Ausstellung von 
einem Umfunktionieren. Manche 
Gebilde Prals haben auch einen Zug 
in das Heitere, doch scheinen uns 
diese Arbeiten weniger dimensional 
als die ernsteren zu sein. Jene 
Plastiken aber, die zeichenhaften 
Charakter haben, gewinnen immer 
mehr an Aussagekraft. Das scheint 
auch von verschiedenen ausländi- 
schen Galerien festgestellt worden 
zu sein, da Pral eben in einer Reihe 
deutscher Städte ausstellt (Abb. 10). 
Die GALERIE IM TAXIS-PALAIS in 
INNSBRUCK zeigte in der Zeit vom 
7. Juli bis 2. August Zeichnungen 
von ANTON KOLIG. Die 69 Ex- 
ponate, zum größten Teil Bleistift- 
zeichnungen. die nur durch einige 
Buntstift- und Kohlezeichnungen 
ergänzt wurden, erinnerten sehr 
berechtigt an jenen Meister der 
Nötscher-Schule, der mehr als alle 
anderen das Bild des Menschen in 
den Mittelpunkt seines Schaffens 
gestellt hatte. Gerade die Graphiken 
zeigen aber auch in ihrer Direktheit, 
wie sie uns keine andere Technik 
bietet, wie sehr der 1950 verstorbene 
Meister reine Formstrukturen schuf 
und dabei doch der Figur ohne 
literarischen Hintergedanken treu 
blieb. Wir sehen, wie sehr er mit 
dem Strich körperliche Dimensionen 
aufzubauen imstande ist und mit 
welcher Sicherheit die einzelnen 
Liniengefüge in den Umraum 
gesetzt sind. Viele Blätter nehmen 
schon die konstruktiven Elemente 
eines Avramidis vorweg. Dazu 
formulierte Peter Weiermair im 
Vorwort des von ihm sehr schön 
gestalteten Kataloges sehr richtig: 
.,Koligs Zeichnungen erinnern an 
Bildhauerzeichnungen." Die Aus- 
stellung ging weiter nach BREGENZ, 
wo sie im PALAIS THURN UND 
TAXIS zu sehen war, um endlich 
1971 in der NEUEN GALERIE in 
Graz gezeigt zu werden (Abb. 11). 
Von EGON HAUG wurden im Aus- 
stellungsraum des SALZBURGER 
KUNSTVEREINES in der Residenz 
vom 11. bis 30. September Aquarelle 
und Olbilder aus den Jahren 1963 
bis 1967 gezeigt. Es handelte sich 
um 32 abstrakte Kompositionen, die 
der Phantasie des Betrachters viel 
Spielraum lassen. Die Farbe ist bei 
diesen Bildern das alleinige Medium. 
Sie wirkt einzig in ihrer Wertigkeit, 
in ihrer Dichte und Gelockertheit, 
in ihrem Verhältnis zur anderen 
Farbe und deren Auftrag. Welten 
entstehen wie aus Spiralnebeln, die 
Konsistenz von Farbprotoplasmen 
gebiert einen neuen Kosmos. An 
dem Betrachter freilich liegt es. 
diesen Kosmos zu erkennen und zu 
akzeptieren. Bei den in Salzburg 
gezeigten Bildern ist ein Zug ins 
Monochrome feststellbar, eine 
Reliefwirkung wird sowohl durch 
den starken Farbenauftrag als auch - 
bei den Aquarellen - durch Kle- 
bungen erreicht. Die Titel der Bilder 
sind eher Namensgebungen und 
sicher nicht immer ganz ernst zu 
nehmen (Abb. 12). 
Zum 50jährigen Bestehen der Salz- 
burger Festspiele veranstaltete die 
GALERIE in der GOLDGASSE in 
SALZBURG eine Ausstellung unter 
dem Titel INCONTRO MUSICALE. 
Sie reihte sich würdig in die Folge 
der anderen heutigen Festspiel- 
veranstaltungen ein. Sechs Künstler, 
deren Werke sowohl in Auffassung 
als auch Qualität recht unterschied- 
lich sind, zeigten vom 20. Juli bis 
B. August Arbeiten, die eine Be- 
ziehung zur Musik aufweisen sollten. 
Die Initiatorin war EVA MAZZUCCO. 
sie brachte neben Aluminiumreliefs 
hauptsächlich Skizzen, die Karl 
Böhm und Christoph Eschenbach 
darstellten. HANS VALA war mit 
drei Ölkreidestudien, reine Farbspiele, 
vertreten. F. MILAN WIRTH brachte 
neue Linolschnitte verschiedener 
sich überdeckender Kreise, die er 
leider manchmal mit weichen Linien 
kombinierte. GUNTHER PÖLL 
stellte plastische Abstraktionen bei. 
Es handelte sich um Ansätze zu 
einem Kräfteaufbau, Der in Wien 
lebende Italiener F. RONCHETTI 
hatte drei Blätter mit neoromanti- 
schen Figuren aus seinem in diese 
Richtung tendierenden (Euvre 
ausgewählt. und H. GILLESBERGER, 
ein in Wien lebender Bildhauer, von 
dem man in Wien fast nichts kennt 
und weiß, war mit Bronzen vertreten, 
die von allen gezeigten Exponaten 
am interessantesten waren (Abb. 13) 
Die GULDEN GALERIE in WELS. 
eine jener wenigen Institutionen, die 
fern jedes Provinzialismus, auch in 
kleinen österreichischen Städten 
gute, ja erstran ' e Kunst zu zeigen 
bemüht sind, präsentierte vom 
12. Juni bis 5. Juli Arbeiten der 
beiden Graphiker WOLFGANG 
STIFTER und WOLFGANG ZÖHRER. 
Stifter, der bereits von einigen 
Ausstellungen in Wien und Linz 
bekannt ist und dessen Arbeiten 
schon mit einigen Preisen ausge- 
zeichnet wurden, zeigte seine 
bewegten Strichgefüge, die sich zu 
drei „Martyria" verdichteten oder zu 
einer „Evolution" oder zu 
„Stadtlandschaftem, die wohl am 
leichtesten zugänglich sind. Zöhrer, 
der aus dem Burgenland stammt und 
jetzt auch in Linz lebt, hat ein 
wenig von dem Spukhaften Kubins 
geerbt. Er verwandelt aber diese 
Eigenart in eine ironisch-heitere, 
phantastische Art, wovon schon 
Namen wie „Die Kloakodore", 
..Der Knattersaurier", „Der 
Krawattenmuffel" u. ä. zeugen. 
Seine Radierungen zeigen technisch 
interessante Details und raffinierte 
Ausnützung der einzelnen Effekte 
für die erwähnten phantastischen 
Zwecke (Abb. 14, 15). 
Die ebenso aktive GALERIE AN 
DER STADTMAUER in VlLLACH 
zeigte vom 27. Juli bis 6. August 
Werke von LUDWIG MERWART. 
Es handelte sich dabei um 12 Eisen- 
ätzungen und 14 Olbilder. Die 
Technik der Eisenätzungen, die von 
der Gruppe Merwan, Braun und 
Kraus seit einigen Jahren immer 
mehr ausgebaut wurde, verlangt 
einen starken farblichen Einsatz, 
der wieder ein großes Feingefühl für 
die Kombinatorik in diesem Feld 
voraussetzt. Haben nun die Blätter 
Merwarts vor Jahren einen offerieren, 
mehr intuitiven Charakter gehabt, 
so sind die in Villach gezeigten 
eher strenger, symmetrischer, zeichen- 
hafter zu nennen. Durch verschiedene 
Anordnungen der Platten bei den 
einzelnen Druckvorgängen erreicht 
der Künstler bei verhältnismäßig 
geringen linearen Verschiebungen 
ein breites Variationsband, mit dem 
er, je nach der verwendeten Farb- 
skala. operieren kann. Die balken- 
haften Konturierungen erinnern an 
Verkehrssignale. haben aber auch 
bei einigen Blättern magischen 
Gehalt (Abb. 16, 17). 
In KLAGENFURT stellte 
REINHARD DIEZL in der GALERIE 
SLAMA vom 11. September bis 
3. Oktober achtundzwanzig Bilder, 
hauptsächlich Gouachen, aus. 
Einige Graphiken - Stift, Kohle und 
Radierungen - ergänzten die Schau 
und zeigten sehr deutlich das 
Künnen des jungen Villacher 
Künstlers, der in Wien studierte und 
derzeit auch wohnt. Neben kräftig 
gesetzten Pinselstrichen, bei denen. 
ähnlich ostasiatischen Bildgestal- 
tungen, der Künstler mit weich- 
geformten Farbflächen arbeitet, 
setzt er mit lockerem Farbauftrag, 
der sich am Rand der breiten Bahn 
verstärkt, die Plastizität eines Aktes 
aufs Papier. In feinen Abstufungen, 
die nahezu in ein Flimmern über- 
gehen, bringt er Atmosphärisches 
ins Bild. Bei anderen, stark aus- 
gemalten Arbeiten zeugen sorgfältige 
Farbnuancierungen von Rot über 
Braun zu einem hellen Blau von 
der intensiven Arbeit an dem Werk. 
Wir haben es bei Diezl mit einem 
jungen Maler zu tun, der wieder 

	        

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