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Volltext: Alte und Moderne Kunst XVI (1971 / Heft 116)

 
ch drei Jahre, bis die ersten Kurse auf der 
Hohensalzburg abgehalten werden konnten. 
Schwierigkeiten gefährdeten das Proiekt, 
end ein neues kulturelles Ziel zu weisen, 
a einmal. 
iebruar 1951 schrieb Kakoschka u. a.: 
läge Sinn darin, eine künstlerische Tradition 
rreich wieder zu begründen, wo man zu 
om Ausverkauf eines großen Erbes gelebt 
die Kultur Österreichs heute fast nur mehr 
de der Leute ist, die sich als Vertreter 
ur ausgeben . . ." 
ch einmal schien der Entschluß Kakoschkas, 
Salzburg zu binden, ernstlich gefährdet. Die 
des Bundes und des Landes, die Mittel für 
sbau der Schule zur Verfügung zu stellen 
aschka eine geeignete Heimstadt in Salzburg 
assen, bedurfte beschwörenderVorstellungen 
aits, die ldee trotz unzureichender Voraus- 
tfl nicht fallenzulassen. 
ka schrieb weiter am 26. Februar 1951: 
iwohl mir sehr leid nun ist, daß der 
che Hof verkauft wurde! lch gestehe, daß 
E und der Charakter des Hofes mich bewogen 
nich dauernd in Salzburg anzusiedeln . . . Als 
ligung für das Land oder den Staat hätte 
l auch entschlossen, ein oder zwei schöne 
u schenken, die das von diesen Stellen ein- 
'e Kapital reichlich verzinst hätten in der 
 Natürlich hing mit diesem Hintergrund 
ehörigkeit und des Wohnsitzes in Salzburg 
I5 Praiekt des Seminars zusammen. Mein 
hätte Wunder gewirkt. Wenn unsere Zeit 
itil besitzt, der darstellenden Kunst sich nur 
i Weg der Buchbildung und Ästhetik und 
e oder - wie im Falle der Zeitgenässischen 
abistischer Weise nähert, so hätte gerade 
itfremdung als Erscheinung unserer Zivili- 
iereizt, ein Wunder zu versuchen, das in 
tnlich trüben Zeit in den BOiöhrigen Kriegen 
ockkunst gelungen war. Und noch einmal 
ärz in Österreich . . ." 
x 
Schmerzlich berührt war ich von der Mitteilung 
Kokoschkas Anfang 1953, daß er in Villeneuve am 
Genfer See ein Grundstück erworben habe, um sich 
dort ständig niederzulassen. Damit waren meine 
iahrelangen Bemühungen zunichte gemacht, Ko- 
koschka an Salzburg zu binden. Glücklicherweise 
hatte Kokoschka nicht seine früher angedeuteten 
Konsequenzen gezogen, mit dem Salzburger Wohn- 
sitz auch die Schulidee aufzugeben. 
Unter Aufbietung aller Kräfte wurde es erstmals 
im August 1953 möglich, einen fünfwächigen Kurs 
für Malerei, Bildhauerei und Architektur in den 
notdürftig adaptierten großen Räumen im Arbeits- 
haus der Festung Hohensalzburg abzuhalten. 
Schon im ersten Jahr nannte Kokoschka sein Seminar 
„Schule des Sehens". Diesen Begriff erläuterte er 
in zahlreichen Diskussionen und Vorträgen und, 
obwohl viel kritisiert, hat er bei der Jugend ein 
weltweites Echo gefunden, was der iährlich steigende 
Zustrom zu seiner „Schule des Sehens" bewies. Die 
fast unvorstellbare Schülerzahl von nahezu 300 aus 
sechsundzwanzig Staaten wurde im neunten Jahre 
von Kokoschkas Tätigkeit im Sommer 1961 erreicht. 
ln einem Aufsatz über „Das Wesentliche Bildender 
Kunst" schrieb Kakoschka 1956 über seine „Schule 
des Sehens" unter anderem: 
„Aller Unterricht kann nicht mehr und nicht weniger 
als ein Anschauungsunterricht sein, in der Erwartung, 
daß dieser oder iener iunge Mensch die Botschaft 
des Lebens als sein innerstes Erlebnis erfährt, was 
ihn erst der Gabe, mit eigenen Augen sehen zu 
lernen, bewußt macht." 
Die Bindung Kokoschkas an Salzburg ermöglichte 
im Laufe der Jahre auch eine engere Beziehung zu 
Linz und Wien. Es gelang mir, Kakoschka zu 
bewegen, 1955 eine Ansicht von Linz, und 1956 die 
Wiener Staatsoper, anläßlich ihrer Wiedereröffnung, 
zu malen. Der Gobelin „Amor und Psyche" wurde 
in der Wiener Gabelin-Manufaktur für das neue 
Salzburger Festspielhaus gewebt. 
Einen Höhepunkt von Kokoschkas Wirken in Salzburg 
stellen die Bühnenentwürfe zu Mozarts „Zauberflöte" 
07:1: m aß- 
dar, die auf Anregung Furtwänglers entstanden und 
in den Jahren 1955 und 1956 dem Spielplan der 
Salzburger Festspiele eine besondere Note verliehen. 
Die Spätzeit Kokoschkas ist geprägt von einem 
tiefen, inneren Erlebniswert. Alles, was er malt 
und zeichnet, ist auf seine Welterfahrung und auf 
das persönliche Engagement bezogen. Ganz gleich, 
ob und wie er antike, mythologische oder Gegen- 
wartsthemen bewältigt, immer ist das Spannungs- 
verhältnis seines eigenen lch zum Gegenstand 
seines Werkes bestimmend. Es mag sein, daß seine 
großen Triptychen „Prometheus-Saga" und „Ther- 
mopylae" barocke Bezüge haben, aber sie sind 
aus einer echten Tradition des Ur-Osterreichers 
Kakoschka in einer völligen Umwandlung der geisti- 
gen und künstlerischen Werte entstanden. 
Im letzten Jahrzehnt hat Kakoschka in zunehmendem 
Maße wieder das graphische Werk gepflegt. Über 
zweihundert Lithographien und Radierungen sind, 
meist in Zyklen gefaßt, entstanden. Diese späte 
Produktivität läßt sich nur mit der der zwanziger 
Jahre vergleichen, doch der Stil hat sich wesentlich 
gewandelt. Die Weisheit eines reichen Lebens erfüllt 
hellenische Götter und Helden, Odysseus, Achill und 
Penthesilea und alle Gestalten seiner späten 
Graphikfolgen. 
Selbst die Blumen- und Früchtestilleben, die Fische 
und Krebse und Blütenzweige, die Kakoschka in 
den letzten Jahren wie zum Zeitvertreib malte, 
atmen denselben Geist, obgleich sie mit dem schier 
unvorstellbaren Feingefühl und virtuosen Können 
altchinesischer Rollbilder gemalt sind. Das letzte 
Jahr hat Kakoschka wesentlich dazu verwendet, seine 
Lebenserinnerungen zu schreiben, die noch in diesem 
Jahr in Buchform erscheinen sollen. Bei meinem 
letzten Besuch hat er mir mit einer resignierenden 
Geste anvertraut, daß er sie mit einer Betrachtung 
von Dürers Melancholie beschließen wolle. 
7 Oskar Kakoschka, Bildnis Hugo Erfurth, 1921. Tuschpinsel, 
70 x 51,2 cm 
a Oskar Kakoschka, Brustbild eines Mädchens mit ver- 
schränkten Armen, um im. Schwarze und farbige 
Kreiden, 70 x 49,8 cm 
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