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Volltext: Alte und Moderne Kunst XVII (1972 / Heft 123)

irfer1741, in Salzburger Privatbesitz 7' (Abb. 
). 
(ommt es, daß wir von Mildorfers späterer 
ahn so wenig wissen, daß er so unbekannt 
.3 Das Hochaltarblatt von Neustift bei Bri- 
:las Kuppelfresko und die Ausstattung der 
a von Hafnerberg (Abb. 14) sind noch be- 
nde Hauptwerke dieser frühen Zeit. In den 
en der späteren Jahre, die zudem vielfach 
thmen und Ungarn liegen und wenig er- 
it sind, scheint uns - in der Großmalerei - 
Profilierung gegenüber Maulbertsch un- 
cher zu werden. Seine Tafelmalerei - meist 
niert - ist iedoch großteils verschollen. 
heint kein Unternehmer gewesen zu sein, 
erne Großaufträge - einer Truppe von Mit- 
tern vorstehend - übernahm. Zeitweilig ar- 
er mit Johann Wenzel Bergl zusammen. 
1r u. E. ein empfindsamen leidender Typ, 
"emd, falsch reagierend: Seit 1751 Professor 
zr Akademie, wird er 1756 fristlos entlassen, 
er sich weigert, Steuern zu zahlen. Nach 
langen Mühen gnadenweise wieder ange- 
als Fünfziger schon schwer krank, von 
ungen heimgesucht, stirbt er einen lang- 
n Tod in tiefer Armut. 
IClI sind die Erkenntnisse, die dieser Fall uns 
kt. Zur Person des Künstlers: Er wird uns 
zarer als ein sensibles Malergenie, zu Gro- 
l. Mildorfer, Pieta, Altarblatt in St. Moritzen 
ei Telfs. 169 x 115 cm, signiert und datiert 1742 
l. Mildorfer, Verherrlichung Mariens. Kuppel- 
esko der Ffarrkirche von HafnerberglNÜ,1743 
rkungen 23-27 
n Hofrat Dr. Leo Wildner wird für die Publika- 
ierlaubnis gedankt. 
frühen Werke Maulbertsch: sind provinziell-schwä- 
'l geprägt. Das Kirchstettener Dedxenbild steiit wohl 
r dem Eintiiiß s. Appidnis und Tro ers, während 
len Jahren kurz rltldt 175D Mildorfers influß evident 
int. Die bisherige Rolle Maulbertschs dis Stilpräger 
er Generation ist wohl zu revidieren. Inwieweit 
ke Mildorfers Maulbertsch zugeschrieben sind, be- 
nach einer gründlichen s eziellen Untersuchung, 
trt bei Elisabeth Payer, e. a.  s. 2. 
lllff für das Altarblatt der Schottenstiftsgalerie, Wien. 
Eccel, a. a. 0., s. 4a. - Wilhelm Reiisdiei, Die 
mlurtg Wilhelm Reiisdiei, München 196a, KciL-Nr. av 
6a (als „Troger-Kreis", für die Schlaßkapelle in 
ttice, CSSR). 
lerfasser dankt Herrn Dr. Bruno Bushart für 
bedeutenden Hinweis auf die Bilder der 
istödter Ausstellung, den Herren Prof. Dr. 
ird Maser und Dr. Hans Aurenhammer für 
nde Diskussionen und Frau Dr. Liselotte 
lka für wichtige heeresgeschichtliche Hin- 
e. Herrn Wolfram Köberl und Herrn Fram- 
Wall-Bayerfels, Innsbruck, wird für die große 
bei der Beschaffung der Fotos gedankt. 
iser Autor: 
'. Kurt Rossacher 
5024 Salzburg 
istfach 12 
ßem fähig, das früh scheitert aus Mangel an 
Lebenskraft, ohne verdienten Ruhm zu erlangen. 
Zur österreichischen Malerei dieser Zeit: Wie 
sehr die politische Geschichte den Zeitstil prägte, 
wie der neue Expressivismus in der Gegenwarts- 
not wurzelt. 
Zur Stellung Tirols: Wie dieser Stamm - den 
Neapolitanern in ihrer Wirkung auf die Kunst 
Roms vergleichbar - immer wieder, entzündet 
am Erlebnis Italiens, frische Kräfte originürster 
künstlerischer Empfindung in die geböndigte 
Formenwelt Wiens entsendet, Wellen der Erre- 
gung werfencl, bis sie wieder aufgehen im 
Klassischen. 
Zur Frage der Stilprägung und zur Rolle des 
Franz Anton Maulbertsch schließlich: daß Mil- 
dorfer schon 1742 virtuos einen Stil vorträgt, 
den Maulbertsch - bei Mildorfers erster Pro- 
fessur 1751 nach Schüler der Akademie - frühe- 
stens erst am Ende der vierziger Jahre vorzu- 
weisen hatte 1'. 
Die Merkmale dieses Stils, von Michciilov als 
nprovinzielle Formkraft" apostrophiertzs, sind 
neben der Steigerung der Farbwerte und Licht- 
kontraste, der arhythmischen Kompositionsweise 
und der impulsiven skizzenhoften Pinselführung 
vor allem Verfremdungen des Physiognomischen 
und heftige, bis zur Verrenkung übersteigerte 
Bewegungen. 
Die fünf Kriegsszenen werden wohl zur Auffin- 
dung weiterer Schlachtenbilder Mildorfers füh- 
ren. Sie können auch - zusammen mit anderen 
gesicherten Werken - wie der Skizze „Abschied 
der Apostelfürsten" im Germanischen Museum" 
und den beiden Skizzen der Himmelfahrt Ma- 
riens der Sammlung Reuschel" - zur Zuweisung 
anderer Funktionsskizzen führen. Dazu würde 
eine Veröffentlichung seiner Großmalerei viel 
beitragen. Die andere Seite seines Schaffens - 
mit akademischer Sorgfalt ausgeführte Ulge- 
mälde - wird in der Pietd von Telfs ein wich- 
tiges Vergleichsstück finden. 
Neben dem älteren Paul Troger, der die Be- 
wältigung der Manumentalaufgaben des Freskos 
lehrte, wird man daher künftig Josef lgnaz Mil- 
dorfers Lehrerpersönlichkeit als stilprägend für 
die Malkunst der neuen Wiener Avantgarde nach 
1750 hervorheben müssen. Er führt die expres- 
siven Tendenzen Magnascas weiter und be- 
gründet damit - als unmittelbaren Ausdruck 
aktuellster Ereignisse und Situationen - den 
neuen Wiener Stil eines extremen Expressivis- 
mus. Er beherrscht aber auch die verfeinerte 
Malkultur des zeitgenössischen Venedig in höch- 
ster Vollkommenheit. 
Möge diese Studie dazu beitragen, diese Er- 
kenntnisse in ein besonderes und neues Licht zu 
rücken.
	        

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