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Volltext: Alte und Moderne Kunst XXII (1977 / Heft 153)

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mini und Mazza weiterverfolgen, so stellen wir 
die Verstärkung der Tendenz zur räumlichen 
Verselbständiggung des Akanthusornaments bei 
den Friesstukkclturen in der ehemaligen Stifts- 
kirche Garsten (Giovanni Battista, Bartalomeo 
Carlone u. a., 1682-1685Y fest (Abb. 7). Bei 
grundsätzlicher Übereinstimmung in der rhythmi- 
schen Anlage wird die Grundflöche als mitbe- 
stimmender Faktor ausgeschaltet, wodurch die 
freiräumliche Expansion der Akanthusrosetten 
verstärkt wird. Die Sprengung der Flächenbin- 
dung durch die Akanthusrosettegreift deutlich auf 
das Kremsmünsterer Friesornament zurück. Der 
Einfluß Borrominis, dem wir zu einem früheren 
Zeitpunkt nochmals begegnen werden, verursacht 
daher die entscheidenden Strukturveränderungen 
in Richtung auf den Stilwandel um 1680 und er- 
öffnet damit die Entwicklung, die zu den borro- 
minesken Dekorationsformen in den Kirchen- 
bauten Fischers von Erlach (Kollegienkirche Salz- 
burg, Karlskirche Wien) führt. 
Die Durchbrechung der aus der architektoni- 
schen Bindung resultierenden Flächigkeit macht 
sich bei der Gewölbedekoration in den auf Kon- 
solen stehenden Engeln bemerkbar, über denen 
vom Rollwerkdekor der Mittelrahmen stark pla- 
stische Blurnen- und Früchtefestons herabhän- 
gen (Abb. 8). Diese Engel, die in den beiden 
mittleren Gewölbeiochen erscheinen, korrespon- 
dieren mit den auf dem Gesims sitzenden En- 
geln, welche die Gurtbogenauflager flankieren. 
Zusammen mit den Fruchtstöben auf den Stich- 
kappengraten, zu seiten der Gurtbögen und über 
den Oculi bilden sie eine klar disponierte, ver- 
räumlichte Schicht var der fläcl-ligen Grundein- 
feilung des Gewölbes, die in ihrer Beziehung" 
zum Gesims einer freien tektonischen Gesetz- 
mäßigkeit gehorcht. Das Arrangement mit den 
Engeln und Festons auf den Zwickeln geht auf 
römische Vorstufen vom Ende des 16. Jahrhun- 
derts zurück. Hier ist vor allem die Gewölbe- 
dekoration der Cappella Altemps an S. Ma- 
ria in Trastevere (Martino Lunghi d. Ä. 1589) 
zu nennen, wo es als Eckmotiv in der Überlei- 
tung zum Deckenspiegel erscheinP. Bei der Ver- 
mittlung dieses Dekorationstyps, der als Vor- 
stufe nur im Sinne einer motivischen Analogie 
gewertet werden kann, dürften die Stukkaturen 
in den Seitenkapellen des Salzburger Domes 
eine wesentliche Rolle gespielt haben". Der Zu- 
sammenhang zwischen Rom und Salzburg leuch- 
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nmerkungen 7-ll 
 
Kremsmünster, Schatzkammer, G. B. Mazza 
el am Gewölbe 
iremsmünster, Schatzkammer. G. B. Mazza 
el und Festan am Gewölbe l 
am, ll Gesü. A. Raggi u. L. Retl, Engelsgr 
im Langhausgewölbe 
Kremsmünster, Schatzkammer. G, P. Spazza 
el auf dem Gesims 
remsmünster, Stiftskirche. G. B. Colamba 
G. B. Barbarino, Stukkatur der südlichen M 
schiffswand _ 
Wien, Servitenkirche. G. B. Barbarino, Kul 
stukkatur 
Kremsmünster, Stiftskirche. G. B, Barbarinr 
guralstukkatur in Mittel- und Seitenschitf 
Ernst Guldan, Quellen ZU Leben und Werk italiel 
Stukkataren des Spütbarock in Bayern, in: Arte e 
dei Laghi Lombardi ll, s. 239-240 
Josef Weingartner, Römische Barockkirchen, Ml 
o. 1., Abb. 9a und 12a. 
Franz Fuhrmann, Der Dorn zu Salzburg tChri 
Kunststätten Österreichs 4), Salzburg 51964, Abb. 
Thomas Korth, slm sl. Florian (Erlanger Beitrög 
Sprach- und Kunstwissenschaf! m, Nürnber w 
242, Anm. sso. - R. Preimesberger, u. a.  s 
Abb. 286. 
Linzer Stukkuteure, Tafel I3.
	        

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